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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
502
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602 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

aus dem gesamten Metallvorrate der Welt ein für allemal für dieZwecke dieses Landes ausgeschiedener Bestand. Es gibt zahlreicheBeispiele erheblicher Verschiebungen in der Metallzirkulation dereinzelnen Länder. Als die Vereinigten Staaten infolge des Bürger-kriegs zu Beginn der 60 er Jahre in die Papierwährung gerieten,haben sie außer dem Ertrage ihrer Neuproduktion von Gold einenerheblichen Teil ihres bereits vorher vorhandenen Goldbestandes anEuropa abgegeben; als Deutschland zu Beginn der 70er Jahre dieGoldwährung einführte und vermittelst der Eingänge aus der franzö-sischen Kriegskostenentschädigung die gewaltige Goldmenge für dieersten Prägungen von Reichsgoldmünzen beschaffte, hat es in großemUmfange aus den Goldbeständen Frankreichs, Englands und der Ver-einigten Staaten geschöpft; ähnliches gilt für die Goldbeschaffungen,die in den 90 er Jahren von Eußland, Österreich und Japan zumZwecke der Einführung der Goldwährung durchgeführt worden sind;ebenso von den erheblichen Goldimporten, durch die in der zweitenHälfte der 90 er Jahre die Vereinigten Staaten ihre Währungsverhält-nisse auf Grundlage der Goldvaluta mit großem Erfolge verbesserthaben. Für die Geldversorgung der einzelnen Volkswirtschaften kommtmithin nicht nur in Frage, welchen Anteil sie sich an der jährlichenWeltproduktion des Geldmetalls sichern können, sondern auch wieweit sie ihren vorhandenen Bestand an Metallgeld behaupten und wieweit sie etwa Metallgeld aus den Beständen anderer Volkswirtschaftenan sich zu ziehen vermögen; neben der Höhe der Weltproduktion anEdelmetall ist für die Geldversorgung der einzelnen Volkswirtschaftenbestimmend die Gestaltung der sogenannten internationalen Edel-metallbewegung.

Wir sehen uns damit vor die Frage gestellt, von welchen Faktorender Anteil einer Volkswirtschaft an den internationalen Edelmetall-bewegungen abhängt.

Dieses Problem bat die Anfänge der volkswirtschaftlichen Theorie,wie sie in dem merkantilistischen Gedankenkreise gegeben sind, gerade-zu beherrscht. Die Frage, die im Jahre 1,613 der Italiener Seeba zumTitel einer für die damalige Auffassung charakteristischen Schrift machte:Wie kann sich ein Land, das keine Bergwerke besitzt, Reichtum anGold und Silber verschaffen?", mußte bei der mangelnden Unterschei-dung zwischen Geld undReichtum als der Kern aller volkswirtschaftlichenFragen erscheinen. Man glaubte die Frage beantwortet zu haben, in-dem man die Ein- und Ausfuhr von Edelmetall in Abhängigkeit setztevon der Gestaltung der Handelsbilanz. Edelmetall, so nahm man an,kommt ins Land als Gegenwert für die ausgeführten Waren, und esgeht außer Landes als Gegenwert für die eingeführten Waren; eineEdelmetalleinfuhr müsse deshalb eintreten, sobald die Warenausfuhr

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