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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
516
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516 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

die Gewerbetreibenden, die Edelmetall verarbeiten, gewendet. Aucheine im Deutschen Eeiche in den Jahren 1896 und 1897 veranstalteteUntersuchung hat diesen Weg eingeschlagen. Bei dieser Art derErhebung liegt zunächst die Gefahr vor, daß man von einer großenAnzahl der Befragten überhaupt keine oder unrichtige Angabenerhält. Ist aber eine ungefähre Ziffer für den gesamten Jahres-verbrauch an Edelmetall ermittelt, so entstehen die weiteren Fragen,wieviel von dem verarbeiteten Edelmetall neu produziert, wievielaltes Material ist, wieviel aus dem Münzumlaufe des eigenen Landesentnommen ist und wieviel aus der Einschmelzung fremder Münzenstammt. Diese letzteren Fragen können wenigstens annäherungsweisebeantwortet werden durch Nachweisungen der Münzanstalten, deroffiziellen Probierämter, der großen Scheideanstalten usw. über denUmfang und die Herkunft der an Gewerbetreibende verkauftenEdelmetallmengen. Auf der Grundlage solcher Nachweisungen be-ruhen seit dem Jahre 1889 die Ermittelungen des amerikanischen Münzdirektors über den industriellen Edelmetallverbrauch in denVereinigten Staaten (Nachweisungen der Münze in Philadelphia , desUnited States Essay Office in Newyork und privater Scheideanstalten).Es fehlt jedoch bei diesem Verfahren an Anhaltspunkten für die Be-träge von Münzen, welche yon den einzelnen Goldschmieden undanderen Edelmetall verarbeitenden Industriellen selbst eingeschmolzenund damit aus der monetären in die industrielle Verwendung über-geführt w.erden. Der amerikanische Münzdirektor macht für dieseBeträge einen mehr oder weniger willkürlich geschätzten Zuschlag.Die deutschen Enqueten von 1896, 1897 und 1908 haben sowohl dieNachweisungen der Scheideanstalten über Umfang und Herkunft desan Gewerbetreibende verkauften Materials benutzt, als auch die ein-zelnen Gewerbetreibenden über den Umfang und die Art des vonihnen verwendeten Goldes befragt. Auch der amerikanische Münz-direktor hat in der letzten Zeit seine Erhebungen wieder durch einesolche Anfrage bei den einzelnen Gewerbetreibenden zu ergänzen gesucht.Fast jeder Anhaltspunkt für die Beurteilung der Herkunft des in derIndustrie usw. verarbeiteten Materials fehlt bei den Nachweisungenüber die bei den Probierämtern oder Punzierungsämtern gestempeltenGold- und Silberwaren, wie wir sie z. B. für Frankreich und Öster-reich-Ungarn besitzen. ^

Diese Ausführungen zeigen, mit welcher Vorsicht auch die aufden fleißigsten Untersuchungen beruhenden Schätzungen des industri-ellen Verbrauchs der Edelniftalle zu beurteilen sind. Bei allensolchen Aufstellungen haben wir es bestenfalls mit Näherungs-werten zu tun, die sich innerhalb nicht zn enger Fehlergrenzen be-wegen.