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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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11. Kapitel. Die Geldversorgung. § 5.

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Bei dieser geringfügigen Wertdifferenz zwischen geprägtem und un-geprägtem Edelmetall ist es, namentlich wenn es sich um kleineQuantitäten handelt, stets einfacher und häufig billiger, sich das be-nötigte Gold durch Einschmelzen von Münzen zu beschaffen, die imVerkehr in jedem Augenblick erhältlich sind, als Goldbarren zu be-ziehen. Aber auch die Einschmelzung von Geräten und Schmuck-sachen aus Edelmetall und die Verwendung des Schmelzergebnisseszur Ausprägung von Münzen ist,; trotz des höheren Formwertes dieserGegenstände, keineswegs etwas Ungewöhnliches; namentlich ist eseine bekannte Erfahrung, daß in Zeiten einer akuten Steigerung desGeldbedarfs, wie z. B. bei Kriegen und politischen Katastrophen,große Mengen von Geräten und Schmucksachen aus Edelmetall zurAusmünzung gebracht werden.

Alle diese Ausführungen beziehen sich lediglich auf die frei aus-prägbaren Edelmetalle, bei denen allein die selbsttätig wirksamenKräfte des Verkehrs über das Verhältnis der Verwertung zu mone-tären nnd industriellen Zwecken entscheiden können; sie gelten nicht,soweit die Prägung des einen oder anderen der beiden Edelmetallebeschränkt und in das Belieben der Regierung gelegt oder gar gänzlicheingestellt ist. Bei beschränkter Prägung bestimmt vielmehr dieStaatsgewalt den Betrag des Edelmetalls, der zu Geldzwecken ver-wendet werden soll, und der ganze Rest des Edelmetallquantumsbleibt für Gebrauchszwecke verfügbar und muß für solche ZweckeAbsatz finden. Bei gesperrter oder beschränkter Prägung desWährungsmetalls äußert sich eine Steigerung des Geldbedarfs, diebei freier Prägung Edelmetall für die monetäre Verwendung heran-zuziehen und damit die Gesamtmenge des monetären Zwecken die-nenden Edelmetalls zu vergrößern geeignet wäre, nach einer anderenSichtung; in einer Erhöhung des Wertes des geprägten Edelmetall-geldes über den Wert des ungeprägten Metalls.

§ 5. Die Statistik des industriellen Edelmetall Verbrauchs.

Die statistische Erfassung des industriellen und des monetärenVerbrauchs der Edelmetalle begegnet noch weit größeren Schwierig-keiten, als etwa die Feststellung der Edelmetall Produktion und derinternationalen Edelmetallbewegungen.

Schon die Ermittelung, wie viel Gold und Silber jährlich in deneinzelnen Ländern in der Industrie Verwendung findet, wird bei dergroßen Anzahl der Betriebe, die hier in Betracht kommen, kaum je-mals einwandfrei möglich sein. Die genauesten Erhebungen über dieindustrielle Verwendung der Edelmetalle werden seit Jahrzehnten inden Vereinigten Staaten veranstaltet, und dort hat sich früher derdie Erhebungen leitende Münzdirektor mit seinen Anfragen direkt an

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