514 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert. •
bei den wohlhabenden Völkern am vollkommensten entwickeln können,während die Nachfrage nach Luxusgütern sich bei zunehmendem "Wohl-stande, ohne solche Gegenwirkungen zu erfahren, auszudehnen vermag;weil ferner auch hier die ganz allgemeine Wahrnehmung gilt, daßunter sonst gleichen Umständen, je größer der Wohlstand eines Volkesist, ein um so größerer Teil des gesamten Nationalvermögens auf die Be-friedigung von weniger dringenden Bedürfnissen verwendet werdenkann; und zweifellos dient die industrielle Verwendung der Edelmetallegegenüber der monetären Verwendung einem Luxuszwecke.
Eine ähnliche Wahrnehmung ist von besonderer Wichtigkeit fürdie Beurteilung der Frage, wie die Gleichmäßigkeit oder Ungleich-maßigkeit der Verteiluug des Volksreichtums auf das Verhältnis dermonetären und industriellen Verwendung der Edelmetalle einwirkt.Je ungleichmäßiger die Verteilung des Nationalvermögens ist, je mehrgroße Vermögen in den Händen einzelner angesammelt sind, und jegeringer der Wohlstand der breiten Masse eines Volkes ist, destogrößer ist der Teil des gesamten Nationalvermögens, der Luxusbedürf-nissen dient. Man braucht sich nur das eine Extrem der absolutgleichmäßigen Verteilung des Vermögens und Einkommens vorzu-stellen: die breiten Schichten des Volkes würden eine etwas aus-kömmlichere Existenz haben, aber niemand innerhalb der ganzenVolkswirtschaft würde imstande sein, Kostbarkeiten irgendwelcherArt zu beschaffen. Die Nachfrage nach Edelmetall zu Luxuszweckenwürde mithin außerordentlich zusammenschrumpfen. Auf der anderenSeite haben wir — speziell an dem Beispiele Frankreichs — gesehen,daß eine gleichmäßige Verteilung des Volkswohlstandes den Bestandvon Edelmetall in Geldform zu erhöhen geeignet ist. Je wenigergleichmäßig die Verteilung der Vermögen innerhalb einer Volkswirt-schaft ist, desto größer wird deshalb im allgemeinen der zu Gebrauchs-zwecken dienende Teil des nationalen Edelmetallbestandes gegenüberdem monetären Zwecken dienenden Teile sein.
Die Grenze zwischen dem monetären uud dem nichtmonetärenEdelmetallbestande einer Volkswirtschaft ist keineswegs eine feste.Bei der Kostbarkeit der Edelmetalle ist der Wert der Form, in diesie gebracht sind, relativ gering; infolgedessen ist die Überführungder Edelmetalle von der einen Verwendungsart zur anderen in ähn-licher Weise leicht, wie die internationale Bewegung der Edelmetalleinfolge der relativ geringfügigen Transportkosten. Namentlich wirdgemünztes Metall in großem Umfange eingeschmolzen und als Materialfür Schmucksachen usw. benutzt, da der Formwert der fabrikmäßigim großen hergestellten Münzen gegenüber ihrem Stoffvverte gänzlichunbedeutend ist. Beispielsweise beträgt die von den deutschen Münz-stätten erhobene Prägegebühr für das 20 Markstück nur 4,3 Pfennige.