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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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11. Kapitel. Die Geldversorgung. § 4.

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§ 4. Die industrielle Verwendung der Edelmetalle.

Von der Gesamtmenge des einer Volkswirtschaft zur Verfügungstehenden und ihr aus der jeweiligen Produktion neu zufließendenGeldmetalls findet nur der eine Teil wirklich zu Geldzwecken Ver-wendung, sei es, daß er als gemünztes Geld in den Verkehr kommt,oder daß er in Form von Münzen oder Barren zur Deckung papiernerUmlaufsmittel und als Grundlage besonderer Zahlungseinrichtungendient; der andere Teil wird, wie alle anderen Waren, gewöhnlichenGebrauchszwecken zugeführt; er dient als Rohstoff zu Geräten undSchmuckgegenständen, als Material zum Vergolden und Versilbern,zum Plombieren von Zähnen usw. Man faßt die Verwendung derEdelmetalle zu nichtmonetären Zwecken zusammen alsindustrielleVerwendung". Über die theoretischen Beziehungen der monetärenund der industriellen Verwendung der Geldmetalle ist wenig zu sagen.Es liegen hier dieselben Verhältnisse vor wie bei allen anderen Gütern,die für verschiedene Verwendungszwecke in Betracht kommen. DieIntensität und die Zahlungsfähigkeit der Nachfrage für die verschie-denen in Betracht kommenden Verwendungen entscheiden über dasVerhältnis, in welchem sich der gesamte verfügbare Bestand auf dieeinzelnen Verwendungsarten verteilt; die genannten Faktoren äußernsich im Preise, den die Nachfrage für die eine oder andere Ver-wendungsart zu zahlen bereit ist; alles Edelmetall, das von dem in-dustriellen Bedarf nicht zu einem Preise aufgenommen wird, der seinemAusmünzungswerte abzüglich der Ausmünzungskosten entspricht, fließtnaturgemäß den Münzstätten zu.

Ebenso wie der Geldbedarf der einzelnen Volkswirtschaften voneiner Eeihe verschiedenartiger Faktoren abhängt, so auch das,Ver-hältnis der Verwendung der Edelmetalle zu monetären und zu ge-wöhnlichen Gebrauchszwecken. Namentlich der Reichtum eines Volkesund seine gleichmäßige oder ungleichmäßige Verteilung ist für denUmfang, in welchem Edelmetall zur Herstellung von Schmucksachenund Geräten verwendet und in Form von Schmucksachen und Gerätenaufbewahrt wird, von sehr erheblicher Bedeutung, und zwar teilweise'nach anderen Richtungen als für die monetäre Verwendung der Edel-metalle. Wohl hat ein größerer nationaler Wohlstand, wie oben aus-einander gesetzt wurde, an und für sich infolge der größeren Umsätzedie Wirkung, den Geldbedarf der Volkswirtschaft zu steigern und einereichlichere Deckung des Geldbedarfs zu ermöglichen; gleichzeitig hater eine vermehrte Nachfrage nach Edelmetall zu Luxuszwecken zurFolge. In ihrer Stärke jedoch ist diese Wirkung mindestens von einemgewissen Punkte an eine verschiedene; schon deshalb, weil alle denGeldbedarf einschränkenden Zahlungseinrichtungen und Kreditumlaufs-mittel einen gewissen Wohlstand zur Voraussetzung haben und sich

Helfferich, Das Geld. -. 33