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512 Zwoites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
vorhanden war, ein Austausch, der sich nur vollziehen konnte, solangein Deutschland für die in Frage kommenden Güter höhere Geldpreisegezahlt wurden als im Auslande, d. h. solange in Deutschland derrelative Überfluß an Geld den Wert des Geldes gegenüber den Gütern,deren Bedarf in geringerem Maße gedeckt war, niedriger hielt als imAuslande.
Die Eeaktion auf die gewaltige Geldübertragung an Deutschland war mithin ein teilweise im Wege des Kreditverkehrs, teilweise imWege der Bezahlung von Einfuhrgütern sich vollziehender Rückflußvon Geld nach dem Auslande. Dieser Rückfluß hat sich von derMitte des Jahres 1874 an unter einer erheblichen Steigerung der aus-wärtigen Wechselkurse vollzogen und hat im großen ganzen bis indas Jahr 1879 angedauert; zeitweise wurde er durch die aus derDurchführung der deutschen Geldreform hervorgehenden Ein-schränkungen der deutschen Geldzirkulation unterbrochen, so nament-lich in der zweiten Hälfte des Jahres 1875 durch die Zurückziehunggroßer Beträge von papiernen Umlaufsmitteln, die, durch das Inkraft-treten der neuen Ordnung des Notenbankwesens erforderlich gemachtwurde; in den folgenden Jahren hat die Einziehung der Silbermiiuzenzeitweise den Umfang des deutschen Geldumlaufs nicht unerheblicheingeschränkt, und sie hat auch in ihrem Endresultat eine gewisseVerminderung des deutschen Geldumlaufs herbeigeführt, da bei demRückgange des Silberpreises für die eingeschmolzenen Silbermünzen nurein hinter dem ursprünglichen Nennwerte derselben zurückbleibenderBetrag von Goldmünzen beschafft werden konnte.
Im ganzen hat der deutsche Metallgeldbestand, der von 1985Millionen Mark um die Mitte des Jahres 1871 auf 2810 Millionen Markum die Mitte des Jahres 1873 zugenommen hatte, in den folgendenJahren eine fast ununterbrochene Abnahme bis auf 2420 MillionenMark um die Mitte des Jahres 1879 erfahren. Von den 825 MillionenMark, um die der deutsche Metallgeldvorrat in den ersten zwei Jahrender Münzreform infolge der Milliardenzahlung zugenommen hatte, istmithin im Jahre 1879 nur noch eine Zunahme von 435 Millionen Markübrig gewesen, eine Zunahme, die, auf die 8 Jahre von 1871 bis 1879verteilt, nichts Ungewöhnliches mehr hat.
An diesem in seiner Art bedeutsamsten Beispiele sehen wir deut-lich, in welchem Umfange und auf welche Weise der Geldbedarf dereinzelnen Volkswirtschaften auf die internationalen Bewegungen derGeldmetalle seinen Einfluß ausübt. 1 )
1) Vgl. zu den obigen Ausführungen auch die sehr instruktive Abhandlungvon Nasse, DieMüuzreform und die Wechselkurse, in Hirths Annalen dos DeutschenReiches, 1875.