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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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518
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518 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

(einschließlich Indiens und der übrigen asiatischen Länder) für dasJahr 1897 auf 250 Millionen Mark geschätzt; auch der amerikanische Münzbericht nahm für das Jahr 1897 noch einen wesentlich geringerenBetrag als für 1907 an, nämlich 59 Millionen Dollar = etwa 248Millionen Mark, also einen Betrag, der sich mit der Schätzungvon Lbxis ungefähr deckte. Die inzwischen im offensichtlichen Zu-sammenhange mit dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwünge ein-getretene Steigerung der industriellen Verwendung des Goldes ver-anschlagt Lexis noch höher als der amerikanische Münzdirektor. Erkommt für die letzten Jahre auf einen industriellen Gold verbrauch vonetwa 590 Millionen Mark.') Wenn man diese Schätzung als ungefährzutreffend annimmt, so würde der Jahresverbrauch von Gold in derIndustrie usw. ein volles Drittel der jährlichen Neuproduktion be-tragen, und zwei Drittel der Neuproduktion würden für monetäreZwecke verfügbar bleiben. Immerhin hat die Zunahme der Gold-gewinnung in den letzten Jahrzehnten die gleichzeitige Zunahme desindustriellen Goldverbrauchs nicht nur absolut, sondern auch propor-tional bedeutend überflügelt. Als Soetbeer für die Mitte-der 80 erJahre den jährlichen Goldverbrauch in der Industrie auf 250 MillionenMark schätzte, berechnete er die gleichzeitige Goldgewinnung nurauf etwa 435 Millionen Mark. Wenn man mit Lexis die SoETBEERScheSchätzung des industriellen Verbrauchs für zu hoch hält, und wennman sie um etwa ein Viertel reduziert, so würde auch dann nochder damalige industrielle Goldverbrauch dem monetären Goldverbrauchenahezu gleichgekommen sein. ^Für Deutschland speziell hat die Enquete von 1896 und 1897einen jährlichen industriellen Goldverbrauch von etwa 16 000 kg imWerte von 45 Millionen Mark nachgewiesen. Darunter befanden sichetwa 5300 kg im Werte von 15 Millionen Mark, die von den Scheide-anstalten aus inländischem Altmaterial gewonnen worden waren,d. h. aus alten Schmucksachen und Geräten, sowie aus Abfällen, diesich bei der Herstellung von Goldwaren ergeben hatten. Abzüglichdieser Goldmenge ergab sich für Deutschland ein jährlicher Netto-verbrauch von etwa 10700 kg im Werte von 30 Millionen Mark, unddiese Ziffern hat auch der amerikanische Münzdirektor in seine Nach-weisung aufgenommen. Von diesem Netto verbrauch kamen 7100 kgim Werte von 20 Millionen Mark auf deutsche Goldmünzen, 1 800 kgim Werte von 5 Millionen Mark auf fremde Goldmünzen uud eben-soviel auf Goldbarren, die den Industriellen von den deutschenScheideanstalten, zu einem geringen Teile auch von der Eeichsbank,geliefert worden sind. Die im Jahre 1908 veranstaltete Erhebung

1) Siehe Handwörterbuch der Staatswissenschaften. .3. Aufl. Bd. V. S. 42.

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