11. Kapitel. Die Geldversorgung. § 6.
519
über den industriellen Goldverbrauch Deutschlands in den Jahren1906 und 1907 ergab wesentlich höhere Ziffern. . Der durchschnitt-liche industrielle Jahresverbrauch wurde mit 31 400 kg im Werte von87,7 Millionen Mark ermittelt. Auf eingeschmolzene deutsche Gold-münzen kommen nicht weniger als 47,5 Millionen Mark, auf fremdeGoldmünzen nur 2,5 Millionen Mark.
Die Schätzungen des industriellen Silberverbrauchs haben seitder Verdrängung des Silbers aus seiner Eolle als Währungsmetallerheblich an Bedeutung verloren. Die industrielle Verwendung vonSilber ist seit der Einstellung der freien Silberprägung in den sämt-lichen Ländern unserer Kultur kein Moment mehr, das für die Geld-versorgung irgendwelche Bedeutung hätte. Gerade wegen der Be-schränkung der monetären Silberverwendung, namentlich vom Jahre-1893 an, und wegen der Steigerung der Silberproduktion währendder letzten Jahrzehnte mußte der Verbrauch von Silber in denLändern europäischer Kultur eine erhebliche Zunahme erfahren. Inden Vereinigten Staaten , deren Erhebungen am zuverlässigsten sind,wurde der industrielle Silberverbrauch im Jahre 1883 auf einenMünzwert von nur 5,6 Millionen Dollar veranschlagt, im Jahre 1900 aufeinen Münzwert von nur 14,8 Millionen Dollar, im Jahre 1907 allerdingsauf nahezu 30 Millionen Dollar. Der von dem amerikanischen Münz-direktor für das Jahr 1900 veranschlagte Verbrauch von Silber zuindustriellen Zwecken in Europa und Amerika blieb mit 1277 000 kg,wenn diese Zahl auch mehr als doppelt so hoch war, wie die vonSoetbeee für die Mitte der 80 er Jahre berechneten 515000 kg, soerheblich hinter der gleichzeitigen Produktion im Betrage von mehrals 5V-2 Millionen kg zurück, daß starke Zweifel an der auch nur an-nähernden Richtigkeit der aufgestellten Schätzungen sich nicht unter-drücken ließen. Für das Jahr 1907 kommt der Münzdirektor fürEuropa und Amerika auf einen industriellen Silberverbrauch von1795000 kg, zu denen für Indien weitere 1084000 kg hinzutreten.Das sind zusammen rund 2880000 kg bei einer Siberproduktion von5 l /2—6 Millionen kg. Für ungefähr die Hälfte der jährlichen Silber-gewinnung fehlt also ein hinreichender Verwendungsnaclweis.
§ 6. Der endgültige Verbrauch au Edelmetall.
Durch die Ausprägung in Münzen oder die Verwendung zuSchmucksachen usw. werden die Edelmetalle noch keineswegs end-gültig konsumiert. Sie häufen sich vielmehr in diesen verschiedenenFormen zu großen Beständen auf, die durch Einschmelzung wiederin Barren verwandelt und stets aus einer in die andere Form, von demeinem zu dem anderen Verwendungszwecke, übergeführt werden können.Von Interesse für die Beurteilung der Geldversorgung der Kulturwelt