Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
520
Einzelbild herunterladen
 

520 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

ist aber nicht nur die Frage, wieviel von dem jährlich neu verfüg-baren Goldquantum der industriellen und der monetären Verwendungzugeführt wird, sondern auch die weitere Frage, wieviel Edelmetallin beiden Verwendungszweigen endgültig konsumiert wird.

Der endgültige Verbrauch an Edelmetall entsteht durch die Ab-nutzung sowohl der umlaufenden Münzen als auch der Schmucksachenund Geräte, ferner durch die Verwendung von Edelmetall zu Zwecken,die eine Wiederdarstellung des Edelmetalls unmöglich machen, vorallem durch die Verwendung zur Vergoldung. Dazu kommen die un-vermeidlichen Abgänge bei der Einschmelzung und Umarbeitung undschließlich die Verluste, die durch Verschleuderung, Vergraben, Schiffs-unfälle usw. entstehen.

Es ist gänzlich unmöglich, diesen endgültigen Konsum an Gold undSilber mit einiger Zuverlässigkeit zahlenmäßig zu erfassen. EinigeAnhaltspunkte liegen immerhin noch vor hinsichtlich der Abnutzungvon Münzen. So hat man in England bei der vor einigen Jahrendurchgeführten Einziehung und Einschmelzung der vor dem Regierungs-antritt der Königin Viktoria geprägten Goldmünzen im Durchschnittbei den Sovereigns einen jährlichen Gewichtsverlust von 0,3 Tausend-teilen, bei den halben Sovereigns von 0,8 Tausendteilen festgestellt.Die durchschnittliche jährliche Abnutzung der 20 Frankenstücke hatman in Frankreich und der Schweiz auf 0,2 Tausendteile berechnet.Nach Soetbeer haben genaue Wägungen größerer Partien von deut-schen Doppelkronen nach mehrjährigem Umlauf sogar nur eine durch-schnittliche jährliche Abnutzung von '/" Tausendteil ergeben. KleinereMünzen unterliegen der Abnutzung in stärkerem Maße als größere,da die der Reibung ausgesetzte Oberfläche im Verhältnis zum Metall-gehalte bei den kleinen Münzen größer ist. Ebenso darf angenommenwerden, daß die Abnutzung anfänglich geringer ist, als in einemspäteren Stadium, da bei den neuen Stücken infolge der erhabenenRandleisten nur ein geringerer Teil der Münzoberfläche der Reibungausgesetzt ist. In Anbetracht dieser Erwägungen wird man denjährlichen Goldverlust durch Münzabnutzung auf etwa 0,4 Tausend-teile des gesamten monetären Goldbestandes schätzen können, alsogegenwärtig bei einem Weltgoldbestande, der auf rund 30 MilliardenMark veranschlagt wird, auf etwa 12 Millionen Mark = rund 4300kg Gold.

Der Abnutzungsverlust, der an Silbermünzen entsteht, ist ver-hältnismäßig stärker, schon deshalb, weil die kleinere Werte dar-stellenden Silbermünzen in beträchtlich rascherem Wechsel von Handzu Hand gehen als die Goldmünzen. Bei den großen Silberstücken darfman auf Grund zahlreicher Feststellungen eine durchschnittliche jähr-liche Abnutzung von 0,2 bis 0,3 Tausendteilen annehmen. Die Beobach-