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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
550
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550 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, GeldversorguDg und Geldwert.

Schließlich ist hervorzuheben, daß der Geldumlauf bei den aufmetallischer Grundlage beruhenden Währungssystemen durch diebankmäßige Ausgabe papierner Geldzeichen eine weitgehende An-passungsfähigkeit gegenüber den Veränderungen des Geldbedarfeserhält; bei einer rationellen Ordnung des Bankwesens und bei einerrichtigen Handhabung der Bankpolitik vermag der elastische Noten-umlauf den auf dem Wechsel der wirtschaftlichen Konjunkturen undder ungleichen Verteilung der Zahlungsleistungen innerhalb der ein-zelnen Jahre beruhenden Schwankungen des Geldbedarfs zu genügen,sodaß diese periodischen Schwankungen des Geldbedarfs als Bestim-mungsgründe des Geldwertes ausgeschaltet oder mindestens erheblichabgeschwächt werden.

Bei denjenigen Währungssystemen, bei welchen die Ausgabe vonGeld ganz im Belieben der Regierung steht, wäre theoretisch einevöllige Anpassung des Geldumlaufs an die Veränderungen des Geld-bedarfs denkbar. Die praktischen Schwierigkeiten sind weiter untennoch ausführlicher zu besprechen.

Hinsichtlich der Anpassungsfähigkeit der Geldnachfrage ist zu-nächst zu bemerken, daß unter normalen Verhältnissen den Schwan-kungen der Größe der durch Geld zu bewirkenden Übertragungen inweitem Umfange genügt werden kann durch die mehr oder minderintensive Ausnutzung der vorhandenen Zirkulationsmittel, durch dieelastische Notenausgabe und durch die Ergänzung des eigentlichenGeldumlaufs durch Kreditpapiere, die ihre ordentliche Bestimmung inanderen als den eigentlichen Geldfunktionen haben; daß mithin eineVermehrung der durch Geld zu vermittelnden Wertübertragungen, wieoben namentlich an dem Beispiele des Giroverkehrs gezeigt wurde, nochkeineswegs einen Mehrbedarf an Zirkulationsmitteln im allgemeinenund an Metallgeld im besonderen hervorzurufen braucht.

Vor allem aber ist die Rückwirkung des für das Geld zu er-zielenden Gegenwertes auf die Nachfrage eine intensivere als beiirgend einem anderen Gute, und zwar auf Grund der bereits mehrfachhervorgehobenen Tatsache, daß das Geld das einzige Gut ist, dessenNutzwirkungen auf seinem Verkehrswerte beruhen und mit seinemVerkehrswerte steigen und fallen. Bei allen anderen Gütern könnenbei einer Veränderung im Verhältnis von Angebot und Nachfragediese beiden Faktoren nur dadurch wieder ins Gleichgewicht gebrachtwerden, daß im Falle einer Überschreitung des Angebots durch dieNachfrage derjenige Teil der Nachfrage, der durch das Angebot nichtgedeckt werden kann, durch steigende Preise zum Verzicht gezwungenund ausgeschaltet wird; daß umgekehrt im Falle einer Überschreitungder Nachfrage durch das Angebot der Umfang der Nachfrage durcheine Herabsetzung der Preise, welche neue, weniger leistungsfähige