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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 3.

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Käufer herbeizieht und die bisherigen Käufer zu einer reichlicherenDeckung ihres Bedarfs veranlaßt, erweitert wird. Die Preisschwan-kungen müssen, wie oben .ausgeführt, um so stärker sein, je zäherdie Nachfrage der Rückwirkung der Preise widersteht. Bei demGelde nun schrumpft der Widerstand des Bedarfs gegen die restrin-gierenden und stimulierenden Einwirkungen der Veränderungen seinesVerkehrswertes auf ein Minimum zusammen. Sobald die auf Seitedes Geldes wirksamen Betimmungsgründe für das Austauschverhältniszwischen dem Gelde und den sonstigen Verkehrsobjekten sich durch-gesetzt und zu einer Erhöhung des für ein gegebenes Geldquantumzu erzielenden Gegenwertes in anderen Verkehrsobjekten geführt haben,kann einem gesteigerten Geldbedarfe durch die gleiche Geldmenge, die. nun-mehr einen erhöhten Verkehrswert repräsentiert, genügt werden; im um-gekehrten Falle einer Minderung des Verkehrswertes des Geldes wird diegleiche Geldmenge durch einen geringeren Geldbedarf beansprucht. DerGeldbedarf der Volkswirtschaft richtet sich nicht auf eine bestimmteMenge an Edelmetallstücken oder Papierscheinen, sondern darauf,daß die vorhandene Geldmenge einen bestimmten Wert gegenüberden übrigen Verkehrsobjekten darstelle; deshalb kann jeder beliebigeGeldbedarf mit jeder beliebigen Geldversorgung durch eine ent-sprechende Änderung im Austauschverhältnisse zwischen dem Geldeund den übrigen Verkehrsobjekten ins Gleichgewicht gesetzt werden.Eine Diskrepanz zwischen Geldbedarf und Geldversorgung kann aufGrund dieser Sonderstellung des Geldes nur insoweit und solangestattfinden, als eine Veränderung der für die Austauschverhältnissewirksamen Bestimmungsgründe sich in den Austauschverhältnissen selbstnoch nicht völlig durchgesetzt hat. Die Wirkungen einer solchenUnstimmigkeit sind weiter unten zu besprechen.

Der Gedanke, daß der einer Volkswirtschaft zur Verfügungstehende Geldbestand sich durch Veränderungen seines Verkehrswertesdem Geldbedarfe anpassen könne und anzupassen strebe, liegt nahezuallen Theorien des Geldwertes zugrunde. Die Mängel der einzelnenTheorien resultieren daraus, daß die komplizierten Faktoren des Geld-bedarfs und der Geldversorgung nicht richtig aufgefaßt worden sind.Die alte Theorie Lockbs glaubt den Geldbedarf einer Volkswirtschaftgegeben durch den gesamten Güter Vorrat: gewisse neuere SpielartenderQuantitätstheorie" erblicken das veränderliche Moment unter denBestimmungsgründen des Geldwertes ausschließlich oder ganz vor-wiegend in der Geld Versorgung, wie sie durch die jeweilige Edelmetall-produktion in Papierwährungen durch den Umfang der Papier-geldausgabe dargestellt wird. Diese Theorien, die nur einen Faktorunter allen auf das Austauschverhältnis von Geld und Waren ein-wirkenden als ausschlaggebend ansehen und die zahlreichen Gegen-