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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
552
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552 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

Wirkungen übersehen oder wenigstens nicht ausreichend würdigen,müssen notwendigerweise zu einer Überschätzung der Veränderlichkeitdes Geldwertes und damit zu einer Überschätzung der vom Gelde aus-gehenden Einwirkungen auf die Veränderungen der Preise usw. ge-langen. Eine tiefer eindringende Analyse der Faktoren Geldbedarfund Geldversorgung und des zwischen diesen beiden Faktoren bestehen-den Wechselwirkungsverhältnisses, wie sie hier versucht worden ist,führt zu dem Resultate, daß wohl bei kaum einem anderen Gute die fürdas Austauschverhältnis maßgebenden Bestimmungsgründe in ihrerGesamtwirkung eine so große Stabilität garantieren, wie sie bei demGelde auf Grund seiner wirtschaftlichen Sonderstellung und vor allemauch auf Grund der Organisation der modernen Geldverfassung ge-geben ist. M

§ 4. Die Einrichtung der Geldsysteme als Wertproblem.

Nach der Feststellung der Voraussetzungen und Bestimmungsgründedes Wertes im allgemeinen und des Geldwertes im besonderen sind wirin der Lage, uns über die tiefere Bedeutung und die Wirkungsgrenzenderjenigen Maßnahmen Bechenschaft zu geben, durch welche der Staatdie einzelnen aus verschiedenen Stoffen bestehenden Geldsorten zu einemeinheitlichen Systeme zusammenfaßt und diesem Systeme in einem derEdelmetalle eine Wertgrundlage gibt. Wir haben an dieser Stelleaus den Prinzipien der Werttheorie die inneren Zusammenhänge auf-zuklären, deren Wirkungen bereits im historischen Teile und in demvon der Geldverfassung handelnden Abschnitte des theoretischen Teilesdargestellt werden mußten.

Die beiden Voraussetzungen des Wertes sind Nützlichkeit undSchwierigkeit der Beschaffung, und die Höhe des Wertes ist bedingtdurch die Größe der Nachfrage, die von dem Grade der Nützlichkeitabhängig ist, und durch die Größe des Angebots, die von dem Gradeder Schwierigkeit der Beschaffung abhängt. Wie stellen sich vondiesen Gesichtspunkten aus betrachtet die Maßnahmen dar, durchwelche eine Festlegung des Wertverhältnisses zwischen dem Gelde unddem Geldmetalle oder einem dritten Wertgegenstande und zwischen deneinzelnen Geldsorten unter sich erstrebt wird?

Wir haben in der freien Prägung das Mittel kennen gelernt, durchwelches eine feste Beziehung zwischen dem geprägten Gelde und demungeprägten Metalle hergestellt werden kann. Die hier noch aufzu-klärende Frage ist, welche Wirkung die freie Prägung für den Gradder Nützlichkeit und der Schwierigkeit der Beschaffung von Geld undGeldmetall hat.

1) Vgl. hierzu auch Lexis, Allgemeine Volkswirtschaftslehre. 1910. S. 100 ff., 115,116, 127 ff.