662 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
jenigen, welche überflüssiges Geld zur Verfügung haben, dieses Geldentweder gegen andere Verkehrsobjekte umsetzen oder gegen Zinsenausleihen. Die Beschaffung von Geld im Wege des Kredits wird imallgemeinen umsomehr bevorzugt werden, je niedriger die Zinssätzeund je ungünstiger die Preise sind, die bei einer Veräußerung vonWaren usw. erzielt werden können; ebenso wird die Verfügung überGeld im Wege des Kredits umsomehr bevorzugt werden, je höher dieZinssätze und je geringer die Vorteile des Umsatzes von Geld gegenandere Verkehrsobjekte sind. Dazu kommt, daß bei höheren Zins-sätzen mancher Kauf auf Kredit unterbleibt, während niedrige Zins-sätze zum Kauf auf Kredit anreizen. Nun haben wir im Kredit dasMedium kennen gelernt, welches die mehr oder weniger intensiveAusnutzung des vorhandenen Geldbestandes vermittelt. Ein steigenderGeldbedarf oder eine Verringerung des Geldvorrates kann durch eineintensivere Ausnutzung des Geldes in seiner Wirkung, auf Waren-preise usw. paralysiert werden; da aber eine solche gesteigerte Aus-nutzung des Geldvorrats nur im Wege einer stärkeren Kreditanspannungmöglich ist, so ist ihre notwendige Begleiterscheinung ein steigenderDiskontsatz. Umgekehrt liegt es bei einer Zunahme des Geldvorratsoder einer Verringerung des Geldbedarfs. Soweit die Verschiebungenim Verhältnis von Geldversorgung und Geldbedarf innerhalb solcherGrenzen bleiben, daß sie durch die sich im Wege des Kreditverkehrsvollziehende Verstärkung oder Abschwächung der Intensität der Geld-ausnutzung ausgeglichen werden können, braucht die Wirkung dieserVerschiebungen nicht auf das Austauschverhältnis zwischen demGelde und den übrigen Verkehrsobjekten überzugreifen. So ist z. B.im normalen Verlauf der Dinge keine Einwirkung der regelmäßigenJahresschwankungen des Geldbedarfs und der Zinssätze auf dasNiveau der Warenpreise zu erkennen.
Aber die Intensität der Ausnutzung der Umlaufsmittel hat nachoben und unten ihre Grenzen; es können ebensowenig beliebigeSummen im Wege des Kredits zur Verfügung gestellt wie unter-gebracht werden. Wenn bei einem Auseinandergehen von Geldbedarfund Geld Versorgung die Geldbeschaffung oder die Verfügung überGeld im Wege des Kredits infolge zu hoher oder zu niedriger Zins-sätze unmöglich oder unwirtschaftlich wird, so bleibt schließlich nurder Weg des Umsatzes anderer Güter gegen Geld oder von Geldgegen andere Verkehrsobjekte. Sobald* aber dieser Moment gekommenist, beginnt die Verschiebung in der Geldversorgung und Geldnach-frage auf. die Austauschverhältnisse einzuwirken. Der Geldbedarf,der bisher nur an die Banken und den Geldmarkt herangetreten war,führt jetzt zu einem Ausbieten von Waren und wirkt damit auf eineSenkung der Preise; im umgekehrten Falle führt das Geldangebot,