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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 5.

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Girokonten oder durch Verabfolgüng von Metallgeld befriedigt werden.Die Banken sehen sich deshalb genötigt, dem steigenden Geldbegehrmit erhöhten Zinssätzen zu begegnen; nur auf diesem Wege könnensie die an sie herantretenden Ansprüche einschränken, ohne zu demharten Mittel direkter Kreditverweigerungen zu greifen. Die Er-höhung des Zinssatzes trägt ferner dazu bei, Geldmetall aus demAuslande herbeizuziehen oder einen Abflüß von Geldmetall nach demAuslande einzuschränken. Auf der anderen Seite erfordert es dasgeschäftliche Interesse der Banken, daß keine überflüssigen Barmittelzinslos brach liegen; wenn der Barvorrat über das erforderliche Maßhinaus steigt, so wird ihnen dadurch eine Ermäßigung ihrer Zinssätzeund damit eine Herbeiziehung neuer Kreditansprüche ermöglicht. Dadie großen Zentralbanken die letzten Instanzen des Geld Verkehrs in ihrenWirtschaftsgebieten darstellen, besteht zwischen , den Veränderungenihres Zinssatzes und demjenigen der übrigen Banken und des ge-samten Geldmarktes eine enge Wechselwirkung. Die nächste Wirkungvon Änderungen von Geldversorgung und Geldbedarf ist mithin offenbareine allgemeine Verschiebung der Zinssätze für kurzfristigen Kreditund zwar, da dieser vorwiegend in der Form der Diskontierung vonWechseln gewährt wird, hauptsächlich der Diskontsätze.

Vielfach sind hohe Diskontsätze als gleichbedeutend mit einerSteigerung des Geldwertes, niedrige Diskontsätze als gleichbedeutendmit einer Senkung des Geldwertes angesehen und die VeränderungendesLeihpreises" des Geldes sind häufig mit den Veränderungen desin anderen Verkehrsobjekten bestehenden Tauschäquivalentes für Geld,mit der Kaufkraft des Geldes, durcheinander geworfen worden. InWirklichkeit handelt es sich jedoch um Erscheinungen, die auf durch-aus verschiedenen Gebieten liegen. Wenn der Wert eines Gutes nurin seinem Austausche gegen- ein anderes Gut in Erscheinung tretenkann, dann vermag der in Geld bestehende Leihpreis für die zeit-weilige Überlassung einer Geldsumme nichts über den Wert desGeldes zu besagen.

Die Tatsache, daß Veränderungen im Geldangebot und in derGeldnachfrage in unserer Geld Verfassung die Tendenz haben, zunächstauf den Leihpreis für Geld einzuwirken, entscheidet jedoch nochkeineswegs die Frage, ob sich damit die Wirkung dieser Verände-rungen erschöpft. Um diese Frage zu beantworten, müssen wirzunächst auf die Ursache der unmittelbaren Einwirkung der bezeich-neten Veränderung auf die Zinssätze eingehen.

Diejenigen, welche Geld benötigen, sei es um zu kaufen, sei esum Zahlungen zu leisten, können sich das Geld auf zwei Wegen ver-schaffen: indem sie andere^ Verkehrsobjekte gegen Geld veräußern,oder indem sie Kredit in Anspruch nehmen; umgekehrt können die-

Helffsrich, Das Geld. 36