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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
560
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560 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung uud Geldwert.

Um zunächst ein Bild von den Begleiterscheinungen der Geld-wertveränderungen zu gewinnen, haben wir zu betrachten, auf welcheWeise die auf der Seite des Geldes wirksamen Bestimmungsgründesich in den Austauschverhältnissen zwischen dem Gelde und den übrigenVerkehrsobjekten durchsetzen, und welche Wirkungen aus der währendder Übergangszeit vorhandenen Unstimmigkeit von Geldversorgungund Geldbedarf entstehen.

Der Weg, auf welchem Verschiebungen in Geldbedarf und Geld-vorrat auf die Austauschverhältnisse, auf Warenpreise, Arbeitslöhneusw. einwirken, ist keineswegs ohne weiteres ersichtlich. Eine Be-obachtung der tatsächlichen Vorgänge zeigt uns, daß z. B. bei einererheblichen Steigerung der Goldproduktion oder einem erheblichenGoldzuflusse aus dem Auslande das neu*"» Geld durchaus nicht immerden übrigen Verkehrsobjekten unmittelbar gegenübertritt, sodaß dieInhaber von Geld infolge ihres gesteigerten Geldangebots sich miteinem geringeren Äquivalente in Waren begnügen müßten. Wir sehenvielmehr, daß sich eine Vermehrung des Zuflusses von Metallgeld inder Hauptsache zunächst an einer ganz anderen Stelle äußert, nämlichan den Barvorräten der großen Banken und auf dem Geldmarkte.Wir haben in den Zentralbanken die Vermittler des internationalenGeldverkehrs kennen gelernt; ihren Kassen fließt das von außenkommende Metall zu, aus ihren Kassen schöpft andrerseits der Geld-bedarf für das Ausland; in der Höhe ihrer Kassenbestände findenmithin Verschiebungen der Geldversorgung ihren nächsten Ausdruck.Aber nicht nur Veränderungen des Geldvorrats, sondern auch dieSchwankungen des inländischen Geldbedarfs wirken in großem Umfangeunmittelbar auf die Barbestände der Zentralbanken und auf denGeldmarkt ein; wir beobachten, wie in Zeiten eines abnehmendenGeldbedarfs die Metall Vorräte dieser Banken anwachsen, wie sieandrerseits in Zeiten eines anziehenden Geldbedarfs abnehmen; derWechsel der wirtschaftlichen Konjunkturen, die regelmäßigen Jahres-schwankungen des Geldbedarfs und die einzelnen großen Zahlungs-termine spiegeln sich hier deutlich wieder.

Offenbar besteht zwischen den in den Banken liegenden Geld-beständen und den Verschiebungen der Warenpreise, Arbeitslöhne usw.keine unmittelbare Beziehung; wohl aber liegt eine solche Beziehungnach einer anderen Eichtung hin vor, nämlich zu den Zinssätzen fürkurzfristigen Kredit. Die Banken sind im Interesse ihrer eigenenZahlungsfähigkeit genötigt, ein gewisses Verhältnis zwischen ihremBarbestande und ihren Verbindlichkeiten aufrecht zu erhalten. DiesesVerhältnis wird um so ungünstiger, je größer die an sie im Wegedes Begehrs nach kurzfristigem Kredit herantretenden Geldansprüchesind, die durch die Ausgabe von Noten, durch Gutschrift auf den