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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 6.

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mit den Produzenten der Goldwährungsländer erfolgreicher in Kon-kurrenz treten. Man hat infolgedessen behauptet, eine sinkende Valutawirke für das betroffene Land wie ein Schutzzoll gegen die fremdeEinfuhr und wie eine Prämie für die eigene Ausfuhr. In gewissemSinne trifft diese Behauptung nach den oben gemachten Ausführungenzu, jedoch mit folgenden Einschränkungen.

Eine Verschiebung zugunsten des Landes mit sinkender Valutatritt nur für einen Teil der Produktionskosten ein. Soweit die Pro-duktionskosten nicht in heimischem Gelde, sondern in Naturalien be-stehen, wie vielfach bei den landwirtschaftlichen Arbeitslöhnen, soweitdie Produktionsmittel aus Ländern mit Goldwährung bezogen und ent-sprechend dem Sinken der Valuta teuerer bezahlt werden müssen, wievielfach Maschinen und Kohlen, ist der Valutarückgang auf das Ver-hältnis der Produktionskosten in beiden Währungsgebieten offenbarohne Einfluß. Dasselbe gilt für die wichtigsten Rohstoffe der in-dustriellen Produktion, deren Verbilligung, die etwa infolge einer Ent-wertung der Valuta des Erzeugungslandes eintritt, auch den Gold-währungsländern zugute kommt. So hat die Silberentwertung und derRückgang der indischen Valuta für die indische Spinnerei den auf dieRohbaumwolle entfallenden Teil der Produktionskosten ebensowenig zu-ungunsten der Gold Währungsländer beeinflussen können, wie den aufdie aus Europa importierten Maschinen entfallenden Teil; ebenso wieletztere infolge des Valntarückgangs teuerer bezahlt werden mußten,ebenso hätte bei gleichbleibendem Preise in indischem Gelde die in-dische Baumwolle von den europäischen Spinnereien zu einem billigerenPreise in Goldgeld bezogen werden können. Gelegentliche Berechnungenhaben ergeben, daß überhaupt nur etwa 10 Prozent der Produktions-kosten von Garn mittlerer Qualität denkbarerweise durch die Ent-wertung der indischen Valuta zugunsten der indischen und zuun-gunsten der europäischen Spinnerei haben beeinflußt werden können. 1 )

Ferner ist die möglicherweise eintretende Verschiebung der Pro-duktionskosten nur vorübergehend; sie verschwindet von selbst, sobalddie notwendige Ausgleichung des Preisniveaus der beiden Währungs-gebiete auf der Grundlage des neuen Wertverhältnisses der beidenValuten eingetreten ist.

Auch mit diesen Beschränkungen und Vorbehalten läßt sich die miteinem Schutzzoll und einer Exportprämie verglichene Wirkung dersinkenden Valuta nicht wie es namentlich von bimetallistischerSeite häufig geschehen ist als ein unzweifelhaftes Glück hinstellen.Denn einmal kann man über die Wohltaten von Schutzzoll und Ex-portprämie an sich schon verschiedener Ansicht sein, namentlich dann,

1) Vgl. meine Abhandlung überAußenhandel und Valutaschwankungen"in Schmollers Jahrbuch, XXI. 2.