Auf dies hin dreht sich die Fratschlerin um und sagtzu einer andern: ,Geh, Nani, scheiß ihm a Krön 37 1' "
5. Skatologisdie Sprichwörter
Will man das Wesen eines Volkes erkennen, so frageman nach seinen Sprichwörtern. Sie geben aufs unver-blümteste den Glauben und die Lebensauffassung einesVolkes wieder. Skatologische Sprichwörter finden sichim Sprachschatz jedes Volkes. Ich kann mich hier nurauf einige Stichproben beschränken.Der Lateiner sagt treffend: Stercus cuique suum beneolet. Zuweilen streift diese Art Volksliteratur das Ero-tische oder direkt Obszöne. So sagt der Pole: Lepiejdobrze sie wyszcuac niz kiepsko schedozyc (Es ist immerbesser, gut zu pissen, als schlecht zu koitieren), womiter sagen will, daß man eine Krankheit erwischt hat,die einem das Urinieren beschwerlich machtFür Deutschland liegen über diese Materie zwei um-fassende Sammlungen vor: „Dr. Kainis, Die Derbheitenim Reden des Volkes, Leipzig , Verlag des Literatur-Bureau, o. J. (1872) 38 " und „Tausend Bauernwitze.Kluge Derbheiten aus Bauernmund. Mit Zeichnungenvon Walter Trier. München und Berlin . G. Müller,1914". Aus diesen beiden Sammlungen seien folgendeSprichwörter hier angeführt:
Er sieht aus wie ein Bettpisser, das heißt, er ist ein Schwäch-ling, zu nichts nutze.
Es pißt ihn kein Hund mehr an (als Zeichen der Verach-tung).
hat lüpen, see Lütje, dö pißte he in de Brök.Dat 's ken Spaß, sed de Nachtiuätter, wenn man mi in'tHurn schitt.
3' Anthr. 2, S. 209, Nr. 45.
ss Vgl. Hayn-Golendorf, III, 5o5.
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