574 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
Bedarfs an beiden Artikeln einen höheren Geldbetrag aufwenden. Da-raus ergibt sich die Forderung, daß bei solchen Berechnungen die re-lative Wichtigkeit der einzelnen Artikel in der Volkswirtschaft be-rücksichtigt werden müßte, indem man die Verhältniszahlen, bevorman aus ihnen den Durchschnitt zieht, mit einem der Größe ihresVerbrauchs entsprechenden Koeffizienten multipliziert. InteressanteVersuche dieser Art sind gemacht worden von Inglis Palgbave ! )auf Grund der Preisstatistik des „Economist ", sowie von dem ameri-kanischen Statistiker Roland P. Falkner 2 ) auf Grund der Ermitte-lung von 223 Warenpreisen.
Aber auch die umfassendsten, scharfsinnigsten und sorgfältigstenArbeiten dieser Art dürfen uns nicht darüber täuschen, daß wir aufdiesem Wege nicht mehr gewinnen können, als ein mehr oder minderzutreffendes Bild der Entwicklung der Kaufkraft des Geldes, ein Bild,das — wie es Soetbeee in seinen „Materialien" versucht hat —durch eine Beobachtung der Veränderungen der Preise von Grundund Boden, der Pacht- und Mietpreise, der Löhne und Gehälter usw.ergänzt werden muß, wenn es wirklich ein annähernd begründetesUrteil über die Verschiebungen des „äußeren Tauschwertes" des Geldesermöglichen soll. Keinesfalls dürfen die Indexzahlen und ihre Verän-derungen als ein Ausdruck der Verschiebungen der auf der Seite desGeldes wirksamen Bestimmungsgründe für die Austauschverhältnisse,als ein Ausdruck der Bewegungen des „Geldwertes" aufgefaßt werden.Ein unmittelbarer Rückschluß von den Indexzahlen auf den Geldwertwäre selbst bei einer richtigen und vollständigen Zusammenfassungaller Preise nur unter der Voraussetzung zulässig, daß sich in derPreisbewegung der verschiedenen Waren alle auf der Seite derWaren wirksamen Bestimmungsgründe vollkommen kompensierten, sodaß in den Endzahlen nur noch die auf der Seite des Geldes wirk-samen Bestimmungsgründe der Preise in Erscheinung kämen. Nundarf man ja allerdings annehmen, daß bei der Zusammenfassung einerbeträchtlichen Anzahl verschiedener Warenpreise die zufälligen Beson-derheiten der Preisbildung der einzelnen Waren zurücktreten, unddaß somit die Schwankungen der Indexzahlen auf gewisse Ursachenallgemeiner Natur schließen lassen. Es wäre jedoch eine petitio prin-cipii, wenn man ohne weiteres annehmen wollte, daß diese Ursachenallgemeiner Natur ausschließlich in Veränderungen des Geldwertes,d. h. also in den auf der Seite des Geldes wirksamen Bestimmungs-