12. Kapitel. Der Geldwert. § 9.
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biraetallistische Tagesliteratur in den zwei letzten Jahrzehnten des19. Jahrhunderts verfolgte, der hatte Gelegenheit, mit jedem Um-schwünge der Konjunktur diesen Wechsel des Beweisinstrumentes zubeobachten. Aber umgekehrt kann mau dem Preisrückgänge stets diegleichzeitige Ermäßigung der Diskontsätze, der Steigerung der Dis-kontsätze stets die gleichzeitige Erhöhung der Preise als Beweisgegen eine Geldknappheit und Geldverteuerung entgegenhalten. InWirklichkeit beweist das regelmäßige Zusammenfallen von Preis-steigerung und Diskonterhöhung, von Preisrückgang und Diskonter-mäßigung nichts anderes, als daß der Einfluß des Geldes sowohl aufdie Bewegung der Preise als auch auf die Schwankungen der Dis-kontsätze hinter der Einwirkung der allgemeinen wirtschaftlichenVerhältnisse und Bewegungen zurücktritt; daß die auf Seite desGeldes wirksamen Bestimmungsgründe sowohl in der Preisbewegungals auch in den Veränderungen des Diskontsatzes nur modifizierendund deshalb latent, nicht aber entscheidend und deshalb greifbar zumAusdrucke kommen.
Soweit das Geld in dem geschilderten Zusammenhange einenrückwirkenden und modifizierenden Einfluß auf die großen volkswirt-schaftlichen Bewegungsvorgänge ausübt, erfüllt es die außerordentlichwichtige Funktion eines Regulators der periodischen Schwingungendes Wirtschaftslebens. Wenn eine aufsteigende Konjunktur mit ihrenerhöhten Preisen und Umsätzen eine intensivere Ausnützung des vor-handenen Geldbestandes und damit ein Anziehen des Diskonts zurFolge hat, wenn ferner die erhöhten Diskontsätze eine retardierendeWirkung auf die Preissteigerung und die Ausdehnung der Unter-nehmungen ausüben, so liegt in dieser vom Gelde ausgehenden Rück-wirkung eine gewisse Eindämmung der Gefahr spekulativer Aus-schreitungen in Produktion und Handel und eine Milderung des aufdie Übertreibungen einer günstigen Konjunktur regelmäßig erfolgendenRückschlages. Wenn umgekehrt bei einer allgemeinen Depression derZinsfuß für kurzfristigen Kredit sich ermäßigt, so erleichtert derniedrige Zinsfuß die Überwindung der schwierigen Zeit und befördertdas Wiederaufleben des Unternehmungsgeistes.
§ 9. Das Ideal eines Geldes von unveränderlichem Wert.
Die Vorstellung der gegen die Prinzipien der Gerechtigkeit ver-stoßenden und die wirtschaftliche Entwicklung ungünstig beeinflussen-den Wirkungen der Veränderungen des Geldwertes haben den Wunschnach einem in seinem Werte absolut stabilen Gelde laut werden lassen,nach einem Gelde, dessen Angebot jeder Zeit in ungestörtem Gleich-gewicht mit dem Geldbedarfe gehalten werden kann, sodaß vonseitendes Geldes niemals irgendwelche Einwirkungen auf den Gesamtprozeß