586 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
Einschränkung der Umsätze eintritt, so ist die notwendige Folge einegeringere Inanspruchnahme des vorhandenen Geldbestandes und eineErmäßigung der Zinssätze für kurzfristigen Kredit.
In diesem Lichte betrachtet, stellen sich mithin steigende Diskont-sätze als die Folge steigender Preise und wachsender Umsätze,niedrige Diskontsätze als die Folge sinkender Preise und abnehmenderUmsätze dar.
Nun haben wir aber bei der Betrachtung der Begleiterscheinungender Geldwertveränderungen einen umgekehrten Kausalnexus festge-stellt: die auf Veränderungen in Geldversorgung und Geldbedarf be-ruhende Erhöhung der Diskontsätze übt, wie wir gesehen haben, einenDruck auf Preise und Umsätze aus, während eine Ermäßigung derDiskontsätze die Tendenz hat, eine Steigerung der Preise und Um-sätze zu bewirken. Es liegt mithin eine Wechselwirkung zwischenden Preisen und Umsätzen auf der einen Seite, den Diskontsätzen aufder anderen Seite vor; ein Wechselwirkungsverhältnis, bei welchem dieWirkung modifizierend auf die Ursache zurückwirkt. An sich kannjeder der beiden Faktoren sowohl die ausschlaggebende Ursache alsauch die lediglich modifizierende Wirkung sein. Die Erhöhung derPreise und Steigerung der Umsätze kann die Ursache der Erhöhungder Diskontsätze sein, während letztere lediglich modifizierend aufPreise und Umsätze zurückwirken; oder aber die Steigerung derDiskontsätze ist die Ursache des Rückganges der Preise und Umsätze,und dieser Rückgang übt lediglich eine einschränkende Rückwirkungauf die Steigerung der Diskontsätze aus. Die erstere Möglichkeitsetzt voraus, daß der Anstoß und das treibende Moment der Ent-wicklung auf der Seite der Waren liegt; die letztere Möglichkeit istgegeben, wenn der Anstoß und das treibende Moment vom Gelde aus-geht. Je neutraler und indifferenter sich das Geld in diesen Vor-gängen verhält, desto deutlicher muß die Abhängigkeit der Diskont-sätze von den Preisen und Umsätzen in Erscheinung treten. Denneine durch eine Erhöhung der Preise bewirkte Diskontsteigerung kannnicht durch eine Geldverteuerung erklärt werden, da eine solche jain sinkenden Preisen zum Ausdruck kommen müßte; und ein niedrigerDiskontsatz, der auf sinkenden Preisen beruht, läßt sich nicht aufeine Geldentwertung, der steigende Preise entsprechen müßten, zurück-führen. Solange in der tatsächlichen Entwicklung die Bewegung derDiskontsätze in dem Maße, wie es in den letzten Jahrzehnten derFall war, von der Gestaltung der Preise und der gesamten wirt-schaftlichen Konjunktur beherrscht ist, haben allerdings diejenigen,welche eine Geldverteuerung nachweisen wollen, zu jeder Zeit dieMöglichkeit, entweder einen Preisrückgang oder steigende Diskont-sätze für ihre Ansicht ins Feld zu führen; und Aver die deutsche