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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 9.

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malie betrachtet und die Verbindung des Geldwertes mit einem derEdelmetalle als der wünschenswerte und normale Zustand angestrebtwerden, und zwar aus folgenden Gründen.

So sehr man auf den ersten Blick einen Vorteil der reinen Papier-währung darin erblicken mag, daß sie die Staatsgewalt in die Lagesetze, durch eine Regulierung der Geldausgabe nach dem Geldbedarfeden Geldwert in voller Stabilität zu erhalten, so große Schwierigkeitenwürden der praktischen Verwirklichung dieses Vorteils entgegenstehen.Zunächst fehlt uns jedes zuverlässige Kriterium für die VeränderungendesGeldwertes. Man braucht sich nur die wissenschaftliche Literatur an-zusehen, in der das Kriterium für einen nicht genügend gedeckten Geld-bedarf teilweise in einem Sinken der Warenpreise, teilweise in einer Steige-rung der Diskontsätze gesucht wird, und man braucht demgegenüber nurdie soeben geschilderte tatsächliche Entwicklung der letzten Jahrzehnteins Auge zu fassen, in der regelmäßig nicht etwa steigende Diskont-sätze und sinkende Preise, sondern umgekehrt steigende Diskontsätzeund steigende Preise zusammenfielen. Nach der Ansicht derjenigen,welche in mehr oder weniger komplizierten Preisstatistiken denexakten Maßstab des Geldwertes sehen, hätte bei einer Geld Verfassung,die dem Staate die Regulierung der Geldversorgung völlig in dieHand gibt, der Geldumlauf Deutschlands in den Jahren 1897 bis 1899und 1904 bis 1907, um der allgemeinen Preissteigerung entgegen zuwirken, erheblich eingeschränkt werden müssen, und das bei einemoffiziellen Diskontsatze von zeitweise 6, 7 und 7 l h Prozent! WelcheKatastrophen durch eine solcheRegulierung des Geldwertes" herauf-beschworen worden wären, ist kaum auszudenken. Umgekehrt hättenach der Auffassung derjenigen, welche in den Bewegungen des Dis-kontsatzes das Kriterium des Geldbedarfs erblicken, der Geldumlaufdurch eine schrankenlos erweiterte Emission von Papiergeld im Wegeder Kreditgewährung zu einem niedrigen Zinsfusse vermehrt und dieÜberproduktion und Überspekulation noch künstlich ermutigt werdenmüssen. Bekennt man sich aber zu der Ansicht, daß sowohl in denWarenpreisen als auch in den Diskontsätzen nicht nur die auf derSeite des Geldes wirksamen Bestimmungsgründe, sondern ganz über-wiegend die in unserer Wirtschaftsverfassung begründeten Schwankungender Konjunkturen zum Ausdrucke kommen, an welcher konkreten Er-scheinung will man dann einen Anhaltspunkt für die Regulierung desGeldwertes gewinnen? 1 )

1) Auch die von Fr. Bendixen (Das Wesen des Geldes". 1908) entwickeltenIdeen über dieGeldschöpfungspflicbt" der vom Staate eingesetzten zentralen Geld-quellen, der Notenbanken, enthalten keine Lösung des hier vorliegenden Problems.Bendixen vertritt einKreditrecht des Produzenten", dahin gehend, daß jedermannauf Grund des Nachweises, daß erin entsprechendem Umfange" Werte geschaffen