Neben Friedrich dem Großen ist die Kaiserin MariaTheresia eine beliebte Heldin skatologischer Anekdoten:„Ein Hofbediensteter ging zu Maria Theresias Zeitenam Graben spazieren. Da erblickte er vor sich ein nettesMaderl und zwickte es beim Vorbeigehen in den Hin-tern. Als sich die Gezwickte jedoch umdrehte, erkannteder Mann die Kaiserin, fiel auf die Knie und sagte:.Majestät, wenn Ihr Herz auch so hart ist wie Ihr Hin-tern, so bin ich verloren." Diese Anekdote wird übrigensauch anderen, weniger bedeutenden Frauen angedichtetKaiserin Katharina II. fehlt nicht im Reigen. Wiener Ursprungs ist diese Geschichte:
„Kaiserin Katharina von Rußland läßt bei der Hoftafeleinen Wind ziemlich laut streichen. Alles wird verlegen.Ein junger Leutnant von der Marine will diese Gelegen-heit benützen, um sich bei der Regentin beliebt zumachen, wird rot, springt auf und stürzt aus dem Saal.Am andern Tag beruft ihn die Kaiserin und ernennt ihnzum Kapitän mit den Worten: ,Ein Leutnant, der einenungünstigen Wind so zu benützen versteht, verdient Ka-pitän zu sein 36 .'"
Von einem ungenannten Herrscher wird berichtet:
„Ein König kam nach Wien und wollte sich von derberühmten Grobheit der Fratschlerinnen (Obstverkäu-ferinnen) überzeugen. Er begab sich auf den Nasch-markt und stieß aus Spaß einen Stand um. Die Fratsch-lerin überschüttete ihn darauf mit einer Flut vonSchimpf Worten. Endlich sagte der König: , Wissen Sie,wer ich bin?' — ,Na, so a Sakramentspflastertreta sanS\ Sö Äff, Sö!' — ,Nein, ich bin der König von ...'
36 Eine mit einer derberen Pointe ausgestattete Anekdote findetsieh in Anthr. a, 207/8.
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