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Fort mit Erzberger! / von Karl Helfferich
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Siegeszuversicht infolge der Wirkung des U-Bootkrieges wankendgeworden und Verständigungsgedanken nicht ganz unzugänglichgewesen sei. Lloyd George unÄ Ribot hätten im Begriff ge-standen, nach Rom zu reisen, um mit dem italienischen Kollegendie Frage eines Verständigungsfriedens zu beraten. Die geplanteReise sei aufgegeben worden, weil durch das Eintreffen öster-reichischer Nachrichten die Lage sich geändert habe. Der Diplomathat auch verraten, daß der Immediatbericht Czernins in Paris bekannt wurde und in den amtlichen Kreisen frohes Aufsehenerregte. Man habe danach geglaubt, daß Oesterreich, vielleicht auchDeutschland , nahe vor dem inneren Zusammenbruch ständen,man habe geglaubt, den Sieg in der Tasche zu haben, und habedementsprechend den Verständigngsgedanken definitiv fallen ge-lassen. Sogar der Gedanke eines Sonderfriedens mit Wien , aufden man zeitweise gehofft habe, habe an Interesse verloren. Manhabe jeden Monat, fast jede Woche den Zusammenbruch der Mit-telmächte fest erwartet und habe sich deren kraftvolle Offensivenim Herbst 1917 und im Frühjahr 1918 gar nicht erklären können.Man habe vor einem Rätsel gestanden. Das ist begreiflich:denn die Entente konnte die Uebertreibungen des CzerninschenBerichts und den Zweck desselben nicht übersehen. Auch HerrErzberger konnte das nicht und hat es wohl versäumt, fest-zustellen, welche Bewandtnis es mit dem Bericht hatte und in-wieweit er begründet war. Beeindruckt durch die pessimistischeSchilderung scheint er geglaubt zu haben, die drei bis vier Mo-nate, die der Kaiser Karl angegeben hatte, beachten und den Kriegabblasen zu müssen. Er hat die Deutschen entmutigt, die Gegneraber sehr gegen seinen Willen ermutigt, mehr als das: durchdie unglückliche Verwertung des Berichts injener Versammmlung die letzte Chance einerVerständigung vereitelt. Nachdem die Engländerdas Convoi-System eingeführt hatten, verlor der U-Boot-kneg seine volle Wirkung, die Gefahr war für England vorüber,Llond Georges Siegeszuversicht war vollkommen wiederher-gestellt, der Entschluß, den Kampf bis zum völligen Siege durch-zuführen, fester denn je.

Um die Angelegenheit noch klarer zu stellen, kann ich es nichtvermeiden, eine Indiskretion zu begehen. Graf Czernin hat mirgesagt, ihm sei von Verhandlungen Herrn Erzbergers zur Ver-hinderung verfrühter Friedensschritte, die er nie beabsichtigt habe.