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Fort mit Erzberger! / von Karl Helfferich
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gemeine» Zeitung". Herr Erzberger erzählt darin seine Eindrückeaus den Aeußerungen des Kaisers und seines Ministers, nament-lich deren Zweifel an der Wirkung des U-Bootkrieges. ImZusammenhange damit erwähnt er Graf Czernins Bericht an denKaiser, ohne auf den Inhalt des Berichts näher einzugehen. Imübrigen bemerkt Herr Erzberger in seiner Aufzeichnung, derKaiser habe erklärt, daß in drei bis vier Monaten von denMittelmächten eine entscheidende Friedensaktion eingeleitet wer-den müsse. Bis dahin solle keine öffentliche Erklärung folgen.Drei bis vier Monate später war gerade etwa die Zeit der Reichs-tagsresolution vom 17. Juli und ebenso die Zeit, als Herr Erz-berger den Czerninschen Bericht anders bewertete, worauf ichjetzt kommen werde.

Herr Erzberger wußte also nach einer Aufzeichnungeiniges von Czernins Bericht und seinem Inhalt. Wieviel,ist nicht zu erkennen. Später stellte es sich heraus, daß HerrErzberger den streng geheimen Bericht selbst in Händen hatte.Man war davon peinlich überrascht, insbesondere von dem Ge-brauch, den Herr Erzberger einige Zeit später davon gemachthatte. In Wien war eine hochnotpeinliche Untersuchung dieFolge, da ein Bertrauensbruch von amtlicher Seite vermutetwurde. Graf Czernin drohte schließlich mit einer Anklage wegenDiebstahls einer Geheimakte, bis es sich herausstellte, daß HerrErzberger den Bericht zwar aus Österreich , aber von andererSeite bezogen hatte.

Es war für Berlin und Wien eine sehr unerfreuliche Ueber-raschung, als eine rheinische Zeitung den Geheimbericht desGrafen Czernin ungeniert besprach. Es wurde festgestellt, daßHerr Erzberger ihn in einer Versammlung wenn ich nicht irre,in Frankfurt a. M. vertraulich verwertet hatte. Wenn manein Geheimnis einem größeren Kreise mitteilt, so pflegt es denKreis zu durchbrechen. Das Geheimnis machte in diesem Falleauch an der deutschen Grenze nicht halt, sondern fand seinen Wegnach Paris . Der geheime Jmmediatbericht Czernins wurde voneiner französischen Zeitung ich glaube, es war der Temvsmit besonderer Genugtuung besprochen. Wenn man den Inhaltdes Berichts ins Auge faßt, fo kann man sich den Eindruck vor-stellen, den er bei der Entente machte. Ein französischer Diplomathat in Wien verraten, es habe 1917 einen Augenblick gegeben,wo Lloyd George , der über Krieg und Frieden entschied, in seiner