am 6. Juli gemacht. Herr v. Bethman n selbst hat Ihnen amNachmittag des 6. Juli erklärt, daß er sich von Ihnen über-fallen fühle, und Sie selbst haben das miteiniger Genugtuung an andere Personenweitererzählt. Sie haben trotz allen Ver-trauens, das Ihnen vom Kanzler und Aus-wärtigen Amt , wie niemals vorher einemAußenstehenden, gewährt wurde, mit Ihrerverhängnisvollen Aktion die deutsche Politik aus demHinterhalt überfallen. Und zwar im Bunde mitWien . Wenn Sie das trotz der unzweideutigen Erklärungendes Grafen Czernin , die Sie allerdings den LesernIhrer Blätter immer noch vorenthalten, auch jetzt noch mit derbekannten eisernen Stirn abstreiten, so überrascht mich dasnicht: Sie bleiben damit nur sich selber treu.
Auf die vorstehende Erwiderung hat Herr Erzberger zunächstnicht mehr geantwortet. Dagegen hat er mich in der Sitzungder Nationalversammlung vom 8. Juli unter dem Schutz derImmunität als den „leichtfertigsten aller Finanz-minister" bezeichnet. Im Anschluß daran kam es zu einemfinanzpolitischen Zwischenspiel, das ich mit dem nachstehendenArtikel eröffnete.
VIII.
Die finanzielle Schuldfrage.
(Helfferich in der „Kreuz-Zeitung " vom 9. Juli.)
Der Reichs finanzminist er hat gestern der Na-tionalversammlung in einer großen Rede zehn Steuervor-lagen vorgelegt, einige weitere mit Namen für eine nahe Zeitund noch weitere — vorläufig ohne Namen — für den Herbstangekündigt. Eine Programmrede war es nicht, dennder Reichsfinanzminister hat zwar angedeutet, daß er ein Pro-gramm habe, aber er hat einstweilen darauf verzichtet, diesesProgramm zu entwickeln. Von dem Bedarf an neuen fort-dauernden Einnahmen, der sich nach seinen Zahlen auf 11 bis 12Milliarden Mark beziffert, wird vorläufig durch sein großesSteuerbukett nur ein Betrag von nicht ganz 1,2 Milliarden ge-