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Dritte Kriegsanleihe ; Dr. [Karl] Helfferich, Staatssekr. d. Reichsschatzamts, über Deutschlands Finanzen. <Reichstagsrede v. 28.8.1915>
Entstehung
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Aber was ich im März bereits kommen sah, ist inzwischeneingetreten: in der Höhe der laufenden Kriegsansgabenhat England nns jetzt überholt. Es scheint, daß dort dieKricgsansgaben pro Tag jetzt den Betrag von 4 MillionenPfnnd, d. h. von 80 Millionen Mark, überschritten haben.

(Hört! hört!)

Meine Herren, wir wollen den Engländern, denen ja derBegriff des Rekords so außerordentlich viel sagt, diesenVorsprang gönnen,

(Bravo ! und Heiterkeit)

zumal die Engländer selbst das Gefühl haben, daß wirmit kleineren Mitteln bedeutend mehr ausrichten als sieselbst. Noch kürzlich hat ein englischer Lord, ciu MitglieddcS Oberhauses, im Parlament gesagt, er habe den Ein-druck, daß in Deutschland mit einem Pfnnd mehr aus-gerichtet werde für den Krieg als in England mit dreien.

(Znrnf links: Der Mann hat recht!)

Ob der Mann recht hat, wage ich nicht zn entscheiden:aber ich könnte Ihnen allerdings einzelne Beispiele nennen,bei denen der Lord das Verhältnis noch ganz bedeutendunterschätzt hat.

(Heiterkeit.)

Auf die Gesamtheit der beiden Gruppen, die sichgegenüberstehe», verteilen sich die Kriegskosten nngefährso, daß ans die Koalition unserer Feinde nahezu zweiDrittel, auf uns uud unsere Verbündeten etwas mehr alsein Drittel der gesamten Kriegskosten entfallen.

Von den kriegführenden Ländern haben Deutschland ,England nnd Österreich-Ungarn allein bisher einennennenswerten Teil ihrer Kriegskosten durch langfristigekonsolidierte Anleihen gedeckt. England hat in seinenbeiden Kriegsanleihen 18 bis Milliarden MM auf-gebracht, von dcueu heute etwa 12 bis 13 Milliarde»Mark eingezahlt sein dürften. Wir halten heute auf