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Dritte Kriegsanleihe ; Dr. [Karl] Helfferich, Staatssekr. d. Reichsschatzamts, über Deutschlands Finanzen. <Reichstagsrede v. 28.8.1915>
Entstehung
Seite
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Das finanzielle Kräfteverhältnis, wie es in den Er-folgen der bisherigen Kriegsanleihen so drastisch zumAusdruck kommt, spiegelt sich wider in allen anderen Er-scheinungen, die mit dem öffentlichen Kredit und demGeldmarkt im Zusammenhang stehen. Ich will nur diewichtigsten Puukte kurz erwähnen. Wenn Sie die vordem Kriege maßgebenden Staats?apiere in England ,Frankreich nnd Deutschland nehmen, so werden Sie finden,daß die Zprozentigc französische Rente gegenüber demKurse von etwa März 1914 nm runde 20 Prozent zurück-gegangen, ist. In England sind ja Mindestkurse vorge-schrieben für die 2>/zp'rozeutigeu Kousols. Der Miudest-kurs ist 65 Prozent; nach dem Urteil der englischenFinanzpresse ist er um mehrere Prozent zn hoch. Abergleichwohl stellt auch dieser Kurs von 65 Prozent einenRückgang von 11 Prozent dar.

(Hört! hört!)

Unsere deutscheu Staatspapiere zeigen eiueu Rückgang vonK bis 9 Prozent. Also auch hier, so groß die Entwertungist, schneiden wir am besten ab. Allerdings leistet sich dieLondoner Börse von Zeit zu Zeit den Scherz, unseredeutsche Zprozcutige Neichsanleihe, für die ja vor demKriege dort eiu Markt bestand, zu notieren. Sie hat sienoch kürzlich notiert mit 49^/- Prozent. 50 Prozeut wäreoffenbar zu rund gewesen, um glaubhaft zu sein.

(Heiterkeit.)

Ich habe mich vergeblich bemüht, auf dem Umwege überneutrale Märkte zu diesem Kurs von 49^/. Prozentdeutsche Reichsanleihe in London zu kaufen;

(große Heiterkeit)

abgesehen von meinem Interesse an dem Sachverhaltschon deshalb, weil sich eine solche Gelegenheit zn einerbillige» Schuldentilgung für das Reich wohl nie wiederfinden wird.

(Große Heiterkeit.)