Druckschrift 
Nachlass / Maximilian Kronberger
Entstehung
Seite
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AM BAUME.

Am Baume stand ich, wo des Nachts die Schatten,Die blauen Schatten ihren Tanz beginnen,Ich sah der Sonne Purpurstrahl ermattenUnd ihre Funken in das Dunkel rinnen,Und ich erhob das Lied vom trüben Tage,Da ich aus einem Land der Liebe gingZu öden Küsten. Fern von dem Gelage,Das früher meinen heitren Sinn umfing,Belausch ich hier den Ton der toten Weiten,Der Sonne Sterben und den Tod der Blüten,Wenn von den Zweigen lächelnd sie entgleiten,Auf denen sie vor kurzem erst erblühten.Und als der Rauhreif dann das Feld versteckte,Die Wolken tief und schwer am Himmel gingen,Als hoher Schnee mir meine Straße deckteUnd von den Bäumen starr die Zweige hingen:Da zog ich fort zum Ziele meiner TräumeZum Lande, da die bunte Schar der GötterDie Wege völkert, wo der Tempel RäumeDem jugendlichen ungeweihten SpötterDie Heimat gaben, die auf ferner FluchtAuf grauen Straßen und an öden KüstenMit wildem Flehn und heißem Aug er sucht. . .Die Tempel, unbekannt mit toten Lüsten,

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