DER TOD DER GELIEBTEN
Leda, Der Dichter, Die FlötenspielerLeda
Mein Bruder, denkst du noch an jenen Tag,Da wir im Schein der Purpurwolken gingen,Da tief in West die Sonne scheidend lagUnd von den Bäumen blaue Schatten hingen ?Den heiligen Rausch, der uns erzeugte, mehrteDer sehnsuchtschwangre Duft der Abendblüten,Der unsre keusche junge Liebe nährte -Und all die Rosen, die im Dunkel glühten,Entsandten ihr berauschendes GeduftVerschmolzen mit dem letzten StrahlZu uns herüber durch die laue Luft,Zu uns herüber durch das blaue Tal.
Mein Bruder, denkst du noch an jenen Tag,
An jenen Rausch, der unsre Glieder weihte,
An jenes Klingen, das im Haine lag,
An jenes abendliche Schlußgeläute ?
Nun scheide ich . . . Weißt du: in dieser Stunde
Fleht ich zur Gottheit um geheimsten Schluß
Und mir enthüllte sich die hohe Kunde,
Daß ich an jenem Tage sterben muß,
An dem der Glanz der göttlich hohen Feste,
Die wir erlebt, an welche wir geglaubt,