In der %ühjahrsausstellung der Münchener Sezession befandsich ein ziemlich schlechtes, von Jan Toorop gezeichnetes BildGeorges.
Am Montag, den 13. IV. abends, war George bei uns. Es warennoch da: meine Eltern, Hanna, Lisa, Großmama, Onkel undTante, Arthur und Walter Dietrich, Oldenbourg und ich.Herr Gundolf ließ mir noch nachträglich zur Konfirmation einBuch Georges schenken: «Bücher der Hirten- und Preisge-dichte, der Sagen und Sänge und der hängenden Gärten».Zuerst sprachen wir im Salon von allem möglichen, dann gabmir George eine von dem Kunstmaler Schmitz gemachte, sehrgute Photographie von mir. Dann gingen wir zum Essen, wowir über alle möglichen Gegenden sprachen.Nach dem Essen zogen wir uns wieder in den Salon zurück,wo Arthur George abzeichnete. Das Bild wurde nicht geradeschlecht, trotzdem gefiel es George gar nicht. Um 10 Uhr ginger. Ich versprach ihm, Mittwoch zu kommen, wurde jedoch ver-hindert und schrieb ihm kurz vor der ausgemachten Zeit ab.Dummerweise war nun eben da ein Freund zu ihm gekommen,den er abbestellte, da er mich erwartete.
Dann war ich wieder am 17. IV. bei ihm. Er war sehr erregt,daß ich am Mittwoch nicht gekommen war, und sagte, er seinicht gewohnt, daß seine Freunde ihn in Kleinigkeiten vernach-lässigten, und sie täten dies auch nicht. Um so mehr müsse ihmalso mein Verhalten mißfallen. Wenn man jemand erwarte, sosei es eine große Ungezogenheit, wenn dieser zwei Stundenvor der verabredeten Zeit absage. Dann gab er mir MeyersLiteraturgeschichte, in der er rühmlichst erwähnt ist, und be-
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