1904
Am 2.1. 04 traf mein Vater George, der sich darüber aufhielt,daß ich an Neujahr nicht bei ihm vorgesprochen hätte. Als ichdas hörte, war ich ganz perplex, denn er hatte mir ja selbstzwei Tage vorher gesagt, es sei ihm leider unmöglich mich inabsehbarer Zeit wieder zu empfangen.
Am 3.I. besuchte er meine Eltern. Uber was gesprochen wur-de, weiß ich nicht, ich sprach George nur am Ende auf einigeWorte.
Am 10.1. besuchte ich George in der Wohnung Wolfskehls.Dann begleitete ich ihn zu dem Kunstmaler H. Schlittgen. Ersprach sehr wenig und schien überaus präokkupiert.Am nächsten Sonntag ging ich wieder zu ihm. Er zeigte mireine Kollektion Lechterscher Gemälde, italienische Landschaf-ten, welche von einer Ausstellung gekommen waren. Er warsehr unliebenswürdig zu mir und schien von widerwärtigenGedanken eingenommen.
Freitag den 29.1. ging ich nachmittags um 3 / 4 6 Uhr zu ihm.Als ich ins Zimmer trat, ließ er mich ungewöhnlich lange war-ten, obwohl er im Nebenzimmer war. Endlich kam er, reichtemir die Hand und sah mich lange an. Ich fragte ihn, wie esihm gehe, erhielt aber keine Antwort. Ziemlich deprimiert sag-te ich, daß ich leider am Sonntag keine Zeit habe und deshalbheute so frei gewesen sei zu kommen. Nun begann er mitzunehmender Heftigkeit mir Vorwürfe zu machen, daß ich andem vorigen Sonntag nicht zu ihm gekommen war. - In demBrief, in dem ich für den kommenden Sonntag absagte, hat-
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