Druckschrift 
Nachlass / Maximilian Kronberger
Entstehung
Seite
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te ich geschrieben, ich stehe ihm zur Verfügung. Diesen Aus-druck, der an und für sich eine bloße Phrase ist, beanstandeteer aufs heftigste, indem er sagte, ich habe nicht das Recht daszu schreiben; wenn er das mir gegenüber tue, so sei das gerecht-fertigt. Und daß ich am Sonntag keine Zeit gehabt hätte, seieine bloße Ausrede, er kenne das aus seiner Jugend etc. Auchfür den kommenden Sonntag sei es eine dumme Ausrede. Ichsagte ihm, ich hätte in der Tat keine Zeit, er tue mir Unrecht.Da drehte er sich zu mir, legte die Stirn in Falten und drohtemir mit dem Finger. Dann setzte er sich an den Schreibtischund begann, wenn ich keine Zeit resp. nicht den Willen habe zukommen, wenn er Zeit habe, so habe auch er nicht Zeit nochWillen mich zu empfangen, wenn ich komme. «Kommen Sie,wenn Sie wollen», schloß er. Ich sagte kalt adieu und reichteihm die Hand, er aber sah absolut nicht her. Da zog ich siedenn heftig zurück und ging mit kräftigen Schritten aus demZimmer. Hinter mir stand er auf und ging ins Nebenzimmer.Er hatte in letzter Zeit immer zunehmende Beweise seinerGleichgültigkeit gegen mich gezeigt, so begleitete er mich nie,wenn ich fortging, aus dem Zimmer, grüßte auf der Straße sosteif und förmlich als kenne er mich gar nicht, zeigte mir einGedicht, welches ich mit vollem Recht auf mich beziehe undwelches dann einem sehr derben Reisepaß gleichkommt. War-um ich das Gedicht auf mich beziehe ? Er zeigte mir sonst nieseine Gedichte, außer einem, welches auch auf mich Bezug hat,und einem, dessen Abschrift ich nicht habe. Da nun dies Ge-dicht zu all dem übrigen Benehmen paßt, so beziehe ich das Ge-dicht auf mich.

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