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UNSERE ALTVORDERN, LIEBSTER LORENZO 1 , HATTENden Brauch, die durch Zuneigung oder Freundschaft ihnen Verbundenenzur Hochzeit zu beschenken, damit bei denen das Wahrzeichen ihrerLiebe und Dienstwilligkeit zugleich auch ein Schmuck wäre 2 . Diese Ge-pflogenheit ist nun, wie so manche andere auch, aus der ihr von den Altengewiesenen Bahn gewichen; denn viele sind weit anders gesonnen: siebelasten sich häufig mit Schulden, um mit den reichsten Gaben die be-gütertsten Leute zu beschenken. Indem sie sozusagen Geschenke aus-säen, scheinen sie mir die babylonischen Bauern nachzuahmen, denendurch die Ergiebigkeit der Äcker, wie Herodot der Vater der Geschichteschreibt 3 , die allgerechte Erde 4 für das einzelne Korn immer das Zwei-,oft das Dreihundertfache wiedergibt. Solche möchte ich alles eher dennfreigebige Spender nennen; denn darbend senden sie den Wohlhabend-sten die Gaben, die sie selbst von allen am meisten entbehren, jene aberim Überfluß besitzen. Darum urteilt man von diesen, daß sie in der Hoff-nung auf Erwerb und um Gewinnes willen mit ihren Wohltaten wuchern:die verdienen, meine ich, um den erwarteten Lohn geprellt zu werden,weil sie durch solche Schein-Freigebigkeit Dank fordern und oft nachgroßem und vielfachem Nutzen trachten.
Ich bin ganz anders gesinnt als diese, zumal ich es mit dir zu tun habe.Denn bei soviel Reichtümern, bei soviel Schätzen, bei so allseitig glück-lichen Verhältnissen finde ich nicht, wo Platz für meine Geschenke seinkönnte. Denn von dem zu schweigen, was für das Leben notwendig ist:dein ist kostbares Gewand die Fülle, ansehnlicher und prachtvoller Haus-rat vielerorten. Rief ich mir überdies viele unserer vertrauten Stundenins Gedächtnis 5 , so schien es mir ein willkommeneres und anziehenderesGeschenk für dich, wenn du eher von deinem Francesco als von seinerFortuna beschenkt würdest. Deshalb beschloß ich mit Widmung an dich