14
WIDMUNG
kurze Aufzeichnungen über die Ehe niederzuschreiben, die ich dieserHochzeitsstunde angepaßt nicht für unnütz erachte. Sie weichen nämlichvon den landläufigen Lehren ab, die bei meiner bescheidenen Begabung•weder schön genug gesagt noch deutlich genug entwickelt werdenkönnten. Vielmehr bin ich dem zum großen Teil gefolgt, was ZachariasTrevisano 6 , der berühmteste Bürger von hier, ein Mann, nach Begabung,Klugheit, Rechdichkeit, nach Wissen um die wesentlichsten Dinge unddurch Taten hervorragend in unserer Zeit und mir durch das Vorrechtder Freundschaft eng verbunden, mit Ernst dargelegt hat, als wir einmalauf ein derartiges Gespräch verfielen. Darin ist fast die ganze auserleseneEheweisheit der Alten enthalten.
Doch will ich an diese Aufzeichnungen herantreten, nicht um dich selbst,sondern um durch dich einige Zeitgenossen zu belehren; und wenn ichsie ermahne, wie zu handeln sei, magst du, was du von dir aus tatest, tustund tun wirst, an dir wiedererkennen 7 . Was sollte ich nämlich dichlehren, da dir, den die Natur zu Lob, Zier und Würde gebildet hat, Vor-bilder im Hause und Hilfen der Wissenschaft zuteil wurden, denen imBunde mit solcher Artung jeglicher Ruhmeslauf offensteht? Du ahmst jadeinem Vater Giovanni 8 nach, dem hochangesehenen Manne, und deinemvortrefflichen Bruder Cosimo 9 , mit deren Ansehen, Klugheit und Rat duvöllig gewappnet bist. Du hast auch andre vorzügliche und hochweiseMänner zu häufigem Umgang; sah ich doch während meiner Anwesen-heit, mit wieviel Sorgfalt und Eifer du vor allen den hochgelehrtenRoberto de'Rossi 10 ehrtest und hochhieltest und wie du ganz mit Rechtfast nie von seiner Seite wichest. Hinzu kommt noch der Verkehr mitdem höchstberedten Leonardo Aretino 11 und nicht minder unserm weit-belesenen Niccolö, bei denen du sicher neben zahlreichem andern auchsehr vieles dieser Art beständig hörst und aufnimmst. Obgleich dem soist, erachte ich es doch unserer Liebe nicht fremd, wenn du, was mirrichtig scheint, auch von mir selbst vernähmest. Dieses selbe nämlich,glaubte ich, würde dir erfreulicher sein, wenn einiges nach meinem Sinnegeschrieben zu dir gelangte. Als Xenokrates fünfzig ihm als Geschenkzugesandte Goldtalente zurückwies, als seien ihm königliche Gaben nichtvonnöten, sagte der große Alexander: Wenn dem Xenokrates AlexandersFreigebigkeit zu nichts dient, so ist es doch dem Alexander vonnöten,