WAS DIE EHE IST
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sie vernachlässigte, brach es zusammen; er brandmarkte diejenigen mitSchande, die im Alter von siebenunddreißig Jahren noch unbeweibtwaren, und denen, die noch nicht die eheliche Bindung eingegangenwaren, verbot er, bei den Übungen der Ringschule zugegen zu sein,damit die Bürgerschaft, um Schande zu meiden, oder entflammt durchden Adel des Kranzes, an freien Männern reicher und ehrenvoller werde.Deshalb war es nicht witzlos, wenn dem berühmten Feldherrn Callicks,der keine Kinder gezeugt hatte, ein Jüngling zu Lazedämon, wo derWohnsitz für das Alter am ehrenvollsten war, nicht ehrenhalber imTheater den Platz räumte und dabei sagte: Hast du, Callicles, doch keinengezeugt, der mir den Platz räumen wird 20 .
Beim Brauche hat man festgestellt, daß in rechtmäßigen Ehen die Söhnezur Ehre tauglicher geboren, würdiger erzogen, kurz zu besseren Bür-gern werden. Ein Staat, der aus solchen besteht, ist den Freunden durchGerechtigkeit Heber, den Feinden durch Mannhaftigkeit furchtbarer;denn die Lehrmeisterin Erfahrung hat als ausgemacht erwiesen, daßdie unrechtmäßig und zuchtlos Erzeugten zumeist lasterhaft, ver-brecherisch und zum Schändlichen geneigter sind. Wer in angesehenemHause geboren ist, den duldet das Licht des väterlichen Ruhmes nicht imDunkeln, der merkt, daß die Bilder der Ahnen ihm mehr Last als Ehrebringen, wenn er nicht durch eigene Mannestugend der Würde und Er-habenheit der Vorfahren entspricht. Und wahrlich, er weiß sehr wohl,daß die Erwartung und die Wiederholung einer gewissermaßen erblichenTugend aller Augen auf ihn lenkt. Die so zum Ruhme Geborenen werdenwir die «Mauern der Stadt» heißen können. Als jemand in Anwesenheitdes Agesilaus beklagte, daß Lazedämon ohne Mauern sei, sagte dieser:Da seien die Götter vor! Die Bürgerschaft selbst ist die wehrhaftesteMauer unserer Stadt; gebührt sich's doch, nicht durch Holz oder Ziegel,sondern durch Mannestugend das Vaterland, die Götter, die Hausgeister,die Altäre, Herd, Eltern, Gatten und Kinder zu schützen und zu ver-teidigen 21 . Was ist auch erfreulicher, als häuslicher Sorgen ledig für dasgemeine Beste zu wirken und ein züchtiges Weib zu haben, das im Glückund Unglück Gefährtin, Gattin und Freundin ist, der du die innerstenGedanken, soweit sie ihrem Bereich angehören, der du die kleinen ge-meinsamen Kinder anvertrauen darfst? bei der du in süßem Gespräch