Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
18
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WAS DIE EHE IST

alle Sorgen und Schmerzen niederlegen kannst ? die du so liebst, daß duin ihrem Heil einen Teil deines Lebens beschlossen wähnest? DieserSache schulde man soviel Pflege, soviel Verehrung nach des CensorsCato censorischer Entscheidung, daß er versicherte, jeglicher, der Handan die Gattin legte, sollte nicht anders, als wer Götterbilder geschändethätte, allenthalben verfolgt und verflucht werden. Wir hören auch, daßer zu sagen pflegte, es scheine ihm bei weitem schwieriger, einen gutenEhemann vorzustellen, als einen guten Senator 22 . Mit dieser Fesseleinigte Cadusius die ständig zwieträchtigen Karer untereinander 23 , mitdiesem Verwandtschaftsbande versöhnte Cyrus die schlimm verfeindetenChaldäer mit ihren Nachbarn 24 , und in Rom waren am selben Tage dieSabiner Feinde und Bürger. Das gleiche sänftigte die entfremdetenHerzen des Pompeius und Cäsar ; und was sich noch unglaublicher an-hört: Alexander verknüpfte durch diesen Knoten, nicht aber durch jenestolzeste Brücke Asien und Europa 25 . Es würde kein Ende nehmen,wollte ich erinnern, was alles die Philosophen, die Geschichtsschreiber,die Dichter, die Könige und Ersten des Staates, die wir aus den Denk-mälern des Schrifttums wie aus trojanischem Pferde herausführenkönnten 26 , dieser Bindung, dieser Liebe, dieser Treue zuschreiben. Dochdas ist bekannt, und ich werde kürzer sein, zumal da man in einer ganzoffenkundigen Sache so unnötige Zeugen nicht beibringen muß. Dochdarf man die christliche Satzung nicht mit Stillschweigen übergehen,deren Würde ja verdientermaßen so groß ist, daß ihre Autorität auchohne Vernunftgründe Kraft hat. Durch ihre Sitte wird die Ehe, die schondurch Sakrament, Treue und Nachkommenschaft besonders befestigt ist,so empfohlen, daß leicht zu ersehen ist: zuerst wurde sie geboten, danachzugestanden 27 . Wie sehr sie zu billigen sei, hat uns Christus unser Herr imEvangelium bekräftigt, einmal dadurch, daß er verbot, die Gattin zuverstoßen, und dann, weil er eingeladen zur Hochzeit kam 28 . Davon istzu halten, daß, obwohl die Ehe nicht an sich zu erstreben ist 29 , sie dochnach meiner Meinung dem zugehört, was an sich gut ist. Weisheit,Freundschaft, Gesundheit erstreben wir um ihrer selbst willen; Be-gabung, Bildung und Wissen, dann ehrbare Übereinstimmung der Sitten,Ehebund und Beilager und schließlich Speise, Trank und Schlaf begehrenwir als gleichsam notwendig um jener willen 30 . Wir glauben also, daß die