WAS DIE EHE IST
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Ehe gut ist wegen der Nachkommenschaft und durch die Gemeinschaftbeider Geschlechter, welche uns die Natur in wunderbarer Weise an-heimgibt. Andernfalls müßte die Würde der Ehe zwischen alten Leutenaufhören, wenn sie keine Kinder haben, oder wenn ihnen die Hoffnunggeraubt ist, solche noch zu zeugen, wo denn dies das vorzüglichste Lobist, daß das Ehrbare der Erzeugung von Nachwuchs dem Schimpflichender Unenthaltsamkeit wehrt. Deshalb sind Mann und Weib durch solchesRecht, solches Bündnis, solchen Zwang verbunden, daß sie selbst durchTrennung nicht voneinander gelöst werden können 31 .Freilich kommt mir vor, ich sähe einige gleich auf der Schwelle mir ent-gegentreten, die mir die mürrischen Sitten der Xanthippe entgegen-halten und an dem Einfall jenes Spartaners ihre Freude haben, der eineFrau von auffallender Kleinheit genommen hatte, deshalb üble Nachredehörte und den Zuträgern sagte: Es ist ein altes und heilsames Sprichwort,daß wir unter den Übeln nach Möglichkeit das kleinste wählen sollen 32 .Darauf läßt sich viel anderes erwidern und besonders jenes Wort desSokrates: Als dieser einst den Euthydemus aus dem Gymnasium in seinHaus mitbrachte, um das allheilige Recht der Gastfreundschaft demWohlwollen hinzuzufügen, stieß Xanthippe zornentbrannt den Tischüber den Haufen. Als Sokrates merkte, daß dies den Gast verdroß, sagteer: Sei guten Mutes, vom Federvieh ertragen wir öfter Schlimmeres,um Eier, Küchlein und weit geringere Genüsse als von der Frau zu be-kommen 33 .
Hierher gehört noch die Rede des Metellus Numidicus , des erprobtenMannes und Censors, worin er, wie erzählt wird, in einer von ihm ab-gehaltenen Volksversammlung über das Ehelichen von Frauen folgendessagte: Könnten wir, o Quiriten, ohne Frauen sein, so blieben wir allesolcher Belästigung ledig, aber da es die Natur nun einmal so bestimmthat, daß wir weder mit ihnen hinreichend bequem, noch ohne sie über-haupt leben können, so muß man, scheint es, eher auf das währende Heilbedacht sein als auf die kurze Lust 34 .
Doch genug hiermit über die Ehe, weil es von hochgelehrten Männernschon reichlich behandelt ist. Um aber das Nötigste zusammenzufassen,haben wir eben dieses gesammelt. Jetzt wollen wir die Teile der Ehe, diewir bei unsern Altvordern nirgends in geordneter Reihe vorfinden,