II VON WELCHEM ALTER
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des Männchens gewissermaßen keusch und wie Witwen. Ich bin weiterabgeschweift, indem ich das Heiraten der Witwen mißbillige und ihreUnenthaltsamkeit anklage. Kehren wir also 2urück. Zum häuslichenFrieden führt es vor allem, wenn die Gatten Gleichheit der Sitten undÄhnlichkeit der Bestrebungen verbindet oder verbunden hält. Aus diesemGrunde stellte das weise Altertum zusammen mit Venus den Merkur, dieGrazien und die Willfährigkeit in den Tempeln auf, weil im Dienst derEhe Willensausgleich, Einmütigkeit und Freundlichkeit ihren not-wendigen Platz beanspruchen 48 .
Sodann wäre zu sagen, zu welcher Zeit die Frau «reif für den mann undvoll an jähren zur ehe 49 » ist. Hesiod, der uralte Dichter, und Xenophon ,der liebenswürdige Philosoph, erkannten der Frau fünfzehn, dem Manndreißig Jahre zu 50 ; Lykurg aber setzte achtzehn Jahre für die Frauen, fürdie Männer aber ungefähr siebenunddreißig fest, im Glauben, daß diesfür künftige Kinder am zuträglichsten sein möchte. Denn er hat offenbarzu deren Zeugung nicht so sehr auf Menge als auf Kräftigkeit Bedachtgenommen 51 . An dieser Stelle laß mich, ich bitte, artigster Lorenzo, etwasfreier abschweifen; dies wird dir nicht unangenehm sein, weiß ich. Umdeswillen also bestimmte er, seine Bürger sollten mit ihren Frauen nichtim gleichen Schlafgemache die Nacht verbringen, sondern sich unterTags heimlich zu ihnen gesellen, auf daß sie von ständigem und sozu-sagen allzu freiem Beilager befreit für andauernde Gesundheit Sorgetrügen und körperkräftigere Kinder hervorbrächten 52 . Der höchst ver-ständige Mann sah nämlich vorher, daß die Sterblichen zur verführe-rischen Begierde der Wollust neigen, und traute sich, die Seinen zumgroßen Teil vor ihren Verlockungen zu wahren, wenn er Vorsorge träfe,daß sie der Lust nicht beständig frönen könnten. Viel trug dazu dieweibliche Aufzucht bei, denn durch sehr zahlreiche Spiele und vieleWettkämpfe brachte er zustande, daß nicht durch Müßiggang oder Un-tätigkeit die Frauenwürde zu irgend etwas Unehrenhaftem abglitt. Denspartanischen Weibern schrieb er nämlich Wettlauf, Diskuswerfen unddie Übungen der Ringschule vor, damit bei ihrer eigenen ständigenÜbung die Söhne und Töchter angestammte Kraft erlangten. Er erklärteauch selbst, er habe um deswillen dieses Gesetz ergehen lassen, damit dieSpartanerinnen tapferer die Wehen der Geburt ertrügen und, wenn