Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
29
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III VON WELCHER HERKUNFT

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m VON WELCHER HERKUNFT

ICH WOLLTE, LIEBSTER LORENZO, DIE SACHE SELBSTließe zu, daß ich alles sagen könnte, was mir über die Herkunft als solchein den Sinn kommt. Ich glaube, dann würde ich wirklich ausgiebigernachweisen, daß die Bilder der Ahnen höher geachtet werden müssen, alsder Brauch es hält, der täglich mehr sich einwurzelt. Weniges jedoch, so-weit es besonders nützlich und hervortretend scheint, werden wir gegen-wärtig anführen, das übrige ein andermal breiter behandeln. Laß uns alsoin dieser Sache von der Natur selbst anheben: ein fetter blumiger wohl-besäter Anger ist ein anschaulicher Beweis, daß wir um der Kinder willenuns mit edelgeborenen Frauen durch das Recht der Ehe verbinden sollen.Denn die Saat kehrt zu ihrem Ursprung zurück. Wir nehmen wahr, wasfür staunenerregende Früchte von den besten Saaten hervorgebrachtwerden. Wir wissen, daß viele und gerade die vorzüglichsten Arten vonÖlfrüchten, Nüssen und Obst außer auf dem eignen und edlen Bodendurchaus nicht gedeihen wollen. Verpflanzen sie sich auf unedlen Boden,so legen sie den eingeborenen Trieb ab und «es entarten die früchte, desfrüheren saftes vergessend 57 ». Auch erlesene Setzreiser bringen ge-ringeren Ertrag, wenn sie einem minderwertigeren Stamm eingepfropftsind. Daß es den Menschen auch so geht, ist in der Ordnung, weshalbman von hohen Frauen auch weit erlauchtere Söhne erwartet. Daher vor-nehmlich erkennen wir das Bild der Muttersippe an Leib und an Seele,wie bei den meisten Kindern zu ersehen. Auch ist doch nicht zweifelhaft,daß bei der Erzeugung der Kinder das Weib starken Ausschlag gibt,denn, wie ich sehe, ist es die Ansicht gewissenhaftester Ärzte: Erzeugungweiblicher Wesen kommt allein vom Weibe her 58 . Überaus weitreichendaber ist es, wenn wir sehen, daß nach dem bürgerlichen Recht die Söhnevon der Erzeugerin die Freibürtigkeit gewinnen, denn wie in denrömischen Gesetzen bestimmt ist 59 , werden bekanntermaßen alle die frei-geboren genannt, die von freien Müttern stammen, seien die Väter auchSklaven; das gleiche, bemerken wir, wollten die Gesetzgeber der Lykier 60 ;wenn bei denen eine adlige Frau einen Sklaven oder Unadligen heiratet,so werden doch adlige Kinder von ihr geboren. Zeugen sind uns auchdie Dichter, nach denen die göttlicher Mutter Entsprossenen mit