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VON DER WAHL DER EHEFRAU
Göttlichkeit begabt sind. Der Tag würde nicht enden, wollte ich sie einzelnaufzählen, aber Achilles, Aeneas und Orpheus wurden aus diesem Grundevornehmlich für göttlich gehalten 61 . Nicht nur zur Erzeugung, auch zurErziehung trägt der Adel der Mutter sehr viel bei. Wer ist so lebensun-kundig, daß er nicht einsähe, wie großes Gewicht dies für die ans LichtGetretenen hat ? Denn mag auch der erlesenste Same ausgeworfen werden,um bei einem Gleichnis derselben Art zu bleiben — wenn der Acker nichtmit Verstand und Fleiß angebaut wird, bringt er mit vielen Schäden be-haftete Frucht hervor. Erlauchten Frauen ist das erste Anliegen, daranwird niemand zweifeln, daß der Glanz ihrer Eltern durch die Berühmt-heit ihrer Kinder mehr und mehr erhellt werde. Wird auf diese nichtsorgfältig achtgegeben, so werden sie mehr durch Laster verrufendenn durch Abkunft als adlig erscheinen. Außerdem bewirkt oft dieWürde und Ansehnlichkeit der Vorfahren, daß die Nachkommenhöchster Ehren wert sind und gelten. Sich auch darum aus eigener Krafteifrig zu mühen, sind sie gleichsam durch Gesetz der Natur verpflichtet.Ist nämlich in ihnen selbst die Tucht der Ihren nicht ausgeprägt, solernen sie durch allergrößten Schimpf, daß sie entartet sind. Und wie diean Siegesbeute gewohnten Soldaten das Gedenken an alten Ruhm feurigund hochaufgerichtet ermutigt, so spornt das Ruhmesgedächtnis ihresHauses die schon freiwillig Vorstürmenden noch an. Hochgeborenen istder Zugang zu den Ehren leicht. Wer zweifelt, daß sie — wofern sie nurim übrigen nicht an Wert hintanstehen — mit aller Stimmen den Leutenniederen Standes vorgezogen werden ? Wer bemerkt nicht, daß, auch wennsie durch eigenes Verdienst der Ehre nicht würdig sind, gar häufig aller-würdigsten Männern, ihren Vorfahren, so manches zugestanden wird?Von vielen lesen wir, die für die Heimat sterben wollten, um ihrer Pflichtzu genügen und um als reichstes Erbgut ihren Söhnen das Gedächtnisihres Namens zu hinterlassen. Zu Athen wurden die Kinder derer aufStaatskosten erzogen, die fürs Vaterland gefallen waren 62 . In Rom wurdeden auf einer Gesandtschaft Gestorbenen, wenn ihnen dieses Amt denTod gebracht, ein Standbild auf dem Markte zuerkannt, damit es einDenkmal ihres ehrenvollen Todes wäre und ihren Söhnen für dauerndeZeiten Ehre verleihe 63 . Wenn bei uns in schwierigen und für den Staatgefahrvollen Zeiüäuften an einigen außergewöhnliche Willenskraft,