I VON DER WILLFÄHRIGKEIT
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ZWEITER TEIL:
VON DER PFLICHT DER EHEFRAU
I VON DER WILLFÄHRIGKEIT
DAS NÄCHSTE WAR, DASS WIR DAS ERWÄGEN, WAS DIEHauptsache ist, nämlich die Aufgabe der Ehefrau, worauf die Rede schonlängst hineilt. Das ist der bei der Haupteinteilung vorgesehene zweitePunkt; hatte ich doch versprochen, erst von der Wahl der Gattin zureden, danach von ihrer Pflicht. Dies ist also der noch übrige Teil, dieserAbschnitt steht noch aus. Folgen mir hierin die Ehefrauen — sei es auseigenem Antrieb oder nach Anleitung ihrer Männer — so müßte einerdie Dinge sehr ungerecht beurteilen, wenn er die Pflicht der Frau vonmir nicht so festgesetzt fände, daß die Jugend durch alle Altersstufenhindurch sichere Ruhe und Muße genießen kann.
Drei Dinge sind es nun, die bei rechter Behandlung durch die Gattin denEhestand höchst gepriesen und bewundernswert machen: Liebe zumGatten, züchtige Lebensführung, ernste und fleißige Pflege des Haus-wesens. Das Erstgenannte werden wir auslegen, nachdem wir vorhereiniges von der Willfährigkeit, die ihr Führer und Begleiter ist, gesagthaben. Ist doch nichts willkommener und nichts wird mehr erstrebt alssie. Dies ist jenen hochweisen Alten nicht entgangen, da sie den Braucheinführten, man solle, wenn der Juno Gamelia 1 geopfert werde, die denHochzeiten vorsteht und davon den Beinamen hat, die Gallenblase ausdem Opfertier herausnehmen. So gaben sie gleichsam durch Gesetz dieweise Mahnung, alle Galle und Zornmütigkeit müsse vom Ehelebenentfernt werden 2 . Deshalb pflegen viele gelehrte Männer die Antworteiner spartanischen Frau zu billigen. Als diese nämlich durch die Schmäh-worte eines wahnwitzigen alten Weibes gegen ihren Mann aufgehetztwurde, sagte sie: Geh zum Henker! Als ich noch nicht aus den Kinder-schuhen war, habe ich gelernt, den Eltern zu gehorchen, nun ist mir not-wendig das Erste, dem Gatten zu gehorchen, wenn ich sein will, die ichsoll 3 . Befehlen soll nämlich der Gatte, seinem Willen gehorchen die
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