Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
51
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I VON DER WILLFÄHRIGKEIT

Sprichwort heißt, Feuer zum Feuer kommen. Mögen sie des hoch-berühmten Königs Philipp Wort lernen und im Munde führen. Diesensuchte einmal seine Umgebung aufzustacheln und gegen die Griechen zuerbittern, die von ihm viele Wohltaten erfahren hätten und ihn dochherabzögen und verlästerten. Da sagte er: Was werden sie erst tun, wennsie von uns noch durch Kränkungen gereizt sind 10 ? Ebenso wenn auf-wieglerische Weiber reden: Du bist sittsam und hebst deinen Mann sosehr und doch schätzt er dich gering, soll die Gattin zur Antwort geben:Was würde werden, wenn ich mit der Scham zugleich die Schamhaftig-keit und mit der Liebe den feurigen Eifer für ihn wissentlich und ge-flissentlich verlöre? Ein Herr faßte seinen flüchtigen Sklaven in derMühle ab und sagte, gleichsam als wäre ihm schon Genugtuung ge-worden: Wo hätte ich dich Heber erwischt als gerade an diesem Platze?Eine Frau, die aus Eifersucht ihrem Manne gram ist und die Scheidungbedenkt und erwägt, soll, möchte ich, so mit sich sprechen: Wo wird dieBuhlerin, wenn ich mich aus Haß gegen sie in die Mühle begebe, froherund glücklicher sein, als wenn sie mich fast gescheitert sieht, während sieindessen mit günstigem Wind heransegelt und in meinem Ehebett sichervor Anker geht 11 ? Euripides schilt nach seiner Art diejenigen heftig, diewährend des Mahles die Leier zu hören pflegten. Weit eher sei es näm-lich passend, bei Zorn und Trauer Gesang herbeizurufen, als jene zuentspannen, die von Vergnügen umfangen seien lla . Nicht anders würdeich die Frauen anklagen, die bei Huld und Eintracht mit ihren Männernzusammen schlafen, wenn aber Zorn ausbricht, getrennt sich niederlegenund die Venus verstoßen, durch deren Anmut und Künste sie sich leichtversöhnen könnten. Dies deutet Homers Juno an, «die hütet die ehelichenBande 12 ». Denn als sie von Tethys und Oceanus spricht wenn ich gutbehalten habe da verheißt sie, deren Hader zu lösen und sie durchLiebe zugleich und Beilager aneinander zu binden 13 . Wenn aber zu Rom eine Meinungsverschiedenheit zwischen Mann und Weib eintrat, sogingen sie in den Tempel der Göttin Viriplaca, wo sie ohne Schieds-richter frei sich aussprachen, um dann einträchtig nach Hause zu gehen 14 .Auch das wird zu des Hauses Frieden und Besorgung beitragen, wenndie Gattin mit besonderer Sorgfalt die Gunst ihres Mannes hütet. Als derLeontiner Gorgias bei den Olympischen Spielen, die unter feierlichem

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