52
VON DER PFLICHT DER EHEFRAU
Zudrang ganz Griechenland für seinen besten und größten Jupiterbeging, über die Eintracht eine Rede hielt, die unter den Griechen zuschaffen sei, da sagte Melantbus: Unser Redner da redet uns zu Vertragund Bündnis zu und ist doch nicht imstande, sich selbst, seine Frau unddie Magd — nicht mehr als drei — ins Einvernehmen zu bringen. SeineGemahlin quälte sich nämüch mit Eifersucht, da Gorgias etwas zu sehrin die Zofe vernarrt war 15 . Philipp hatte lange Zeit ein Zerwürfnis mitOlympias und Alexander. Mitderweile kehrte der Korinther Demaratusaus Griechenland zurück, und als Philipp beflissen und eingehend diesenüber die Eintracht der Griechen befragte, da sagte er: Ich halte es fürganz schmählich, Philippus, daß du Sorge zur Schau trägst um des ge-samten Griechenlands Friede und Einhelligkeit, während du noch nichteinmal mit Frau und Sohn die Freundschaft erneut hast 16 . Deshalb seidie Frau, die irgend wünscht, Kinder und Bedienstete in Ruhe zu halten,vor allem eins mit dem Gatten, damit man von ihr nicht denke, sie wolledas nachahmen, was sie an jenen tadelt. Auf daß also durch ihr Amt fürwechselseitigen Frieden und dauernde Ruhe vorgesorgt sei, soll sie aufnichts mehr ihre Gedanken richten, als daß sie nirgends mit dem Gattenuneins werde. Doch dies soweit.
II VON DER LIEBE
NUN KEHREN WIR ZUR EHELICHEN LIEBE ZURÜCK, DERENhöchste Kraft und größte Würde (wie wir von berühmten Männern ver-nommen haben) nahezu das Bild der vollkommenen Freundschaft dar-stellt. Hierbei muß ich vieles auslassen, um das, was zu beachten daswichtigste ist, um so eher sagen zu können. Mit so großem Eifer, mit sogroßer Treue und Neigung soll sie also, möchte ich, den Mann lieben,daß man an Sorgsamkeit, Wohlwollen und Ergebung nicht mehr wün-schen kann. So soll sie mit ihm umgehen, daß es ganz ausgemacht ist, eswerde für sie ohne den Mann nichts Gutes, nichts Angenehmes geben.Hierfür, ersehe ich, wird die Liebe selbst am meisten Hilfe leisten; dennin allen Dingen gibt es keinen besseren, keinen kürzeren Weg, um etwaszu scheinen, als daß wir es wirklich sind 17 . Wie große Mühe, wie großenFleiß muß notwendig der träge Landmann aufbringen, wenn er emsig