Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU

Möge es jeder nehmen wie er will; ich bin gewiß der Ansicht, daß falscheHaare auf dem Scheitel und der ganze Schminkenkram gepflegt wird,um mit so großer Sorgfalt und Aufmerksamkeit eher anderen als demeigenen Gatten zu gefallen. Zu Hause nämlich werden diese Dinge ver-nachlässigt, draußen aber kann so eine Verderbnis unseres Gutes 57 nichtgenügend geputzt und geschmückt sein. Die Mannigfaltigkeit an kost-baren Kleidern ist dem Manne fürwahr selten zum Nutzen, oft zur Be-trübnis, den Stutzern aber, denen zuliebe dergleichen erfunden wurde,stets zur Lust. Jene, die man mit Recht frauenhörig nennen darf, pflegeich solchen zu vergleichen, denen eine glänzende Hausansicht dermaßenlieb ist, daß, während sie innerhalb der Wände den notwendigen Auf-wand unterlassen, den Nachbarn und Fremden die goldene Vorderseitedes Hauses Vergnügen gewährt. Auch können sie den ungeschicktenaber üppigen Haarscherern ähnlich scheinen, welche die jungen Leutenie aufsuchen, außer um sich die Haare zu ordnen. Denen bringen auchihre elfenbeinernen und kunstvollen Spiegel keinen Vorteil, sonderneher Ärger, wenn sie dauernd in den benachbarten Barbierstuben die vor-nehmsten Jünglinge zu ihrer besonderen Betrübnis erblicken und an-schauen. Jener herrliche Glanz, jene großartigen Kleinode, jener schwel-gerische Aufputz bewirken, daß es am ergötzlichsten ist, in der Vorhalle,dem Freihof und den Wandelgängen zu verweilen und öfter die ganzeStadt zu durchstreifen. Deshalb war weislich den ägyptischen Frauenuntersagt, Patrizierschuhe 58 anzulegen, damit die Freiheit des Umher-schweifens eingeschränkt werde. Wirklich werden sich die meistenFrauen, wenn wir ihnen den teuren Tand wegnehmen, willig und mitVorsatz zu Hause halten 69 .

Doch meine ich, muß man, da die Sitten nun einmal soweit gesunkensind, hierin den Brauch nachahmen, daß Frauen, wenn es uns das Ver-mögen erlaubt, mit Gold, Edelsteinen und Perlen angetan erscheinen.Solches ist nämlich mehr das Kennzeichen einer begüterten als einerüppigen Frau und zielt eher auf Wohlhabenheit des Mannes, als daß esauf begehrliche Augen Jagd machte. Ich übergehe, daß dieser Art Reich-tum dauerhafter ist und mindere Pflege beansprucht. Sie kann auchleichter dem Hause wie dem Staatswesen zu oft größter Förderung ge-reichen. Wer weiß nicht, wie großen Nutzen den Römern dergleichen