V VON DER KLEIDUNG UND DEM ÜBRIGEN SCHMUCK 63
Versammlung jemanden im Staatskleid gegürtet oder beim Reiterkampfmit wallendem Gewand 533 ? Vielmehr wird von uns weder zu ausge-suchte noch zu nachlässige Kleidung gebilligt werden, sondern die denAnstand wahrt. Denn hierin ist zu großer Aufwand einmal ein Beweisgroßer Eitelkeit und dann pflegt er Zeugnis und Anlaß zu geben, daß dieFrauen von ihren Männern zu anderen Werbern abfallen. Auf daß unsereFrauen nicht mit so großem Eifer auf ihren Putz bedacht seien, dieneihnen König Cyrus zum Beispiel, der ja wegen seiner ausnehmendenWeisheit ebenso wie durch den Glanz der Mäßigung seinen Namen nichtfälschlich zu führen schien, denn es ist gewiß, daß Cyrus in der Spracheder Perser die Sonne hieß. Zu seinem Oheim Cyaxares kamen Gesandtedes Königs von Indien, um über den Frieden mit den Assyrern zu ver-handeln. Damit diesen sein Heer auserwählt dünke, läßt er dem Be-fehlshaber Cyrus sagen, er solle sobald als möglich mit allen Truppen vordem Eingange zur Königsburg auf weitgedehntem Platze sich vor-stellen. Dem Geheiß gehorchte er und war mit Manneszucht, Kraft undwunderbarer Schnelligkeit zur Stelle, mit geringem Gewand angetan,obwohl ihm Cyaxares ein Purpurgewand, eine kostbare Halskette undden übrigen medischen Schmuck gesandt hatte, damit er, der Neffe desKönigs und Feldherr, glänzender und ansehnlicher wäre. All das ver-schmähte Cyrus hohen Sinnes und schien für die anderen wie für sichselbst geschmückt genug, wenn er kampfbereit, mit vollkommen ge-schultem Heere zugegen, fast früher bemerkt ward, als jener Königsbotezu Cyaxares zurückkehrte 54 . Ebenso wird den Ehefrauen die Gering-schätzung von dergleichen Aufwand keine geringe Zierde sein. Dionys,Siziliens Tyrann, schickte dem Lysander zwei äußerst kostbare Gewänderzum Geschenk, auf daß dessen Töchter schöner und geschmückterwären. Lysander wies diese zurück und ließ dem Dionys melden: ohnesie würden seine Kinder schöner geschmückt sein 55 . Als Julia, die Toch-ter des Kaisers Augustus, einmal zu bemerken glaubte, daß dem Vaterihre zu freie Kleidung verdrießlich sei, kam sie am folgenden Tage imMantel, den Vater zu sehen und zu begrüßen. Da dies vom Kaiser sehrgutgeheißen wurde, machte Julia gar kein Hehl daraus, daß sie ihreTracht diesmal für die Augen des Vaters, zuvor aber für die ihres MannesAgrippa gewählt habe 58 .