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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU
wer das Bild der Venus zu beschauen kam, vorher der Säule des Bacchus seinen Gruß bot 65 . Ist wirklich Geist und Sinn durch dergleichen kraftlosgeworden, so vermag er nichts Schwieriges mehr zu denken, sich nichtmehr auf Haltung besinnen, nichts Göttliches begreifen, sondern rat-und vernunftlos setzt er sich aus Sinnenkitzel das als höchstes Gut, was,wie Cicero schreibt, selbst das Vieh, wenn es sprechen könnte, Wollustnennen würde 68 . Den Angriff des Spargapises, des Sohnes der Tomyris,mit auserlesenem Heer, wehrte Cyrus leicht ab, löschte sein Feuer unddrückte seine Kühnheit zu Boden, da er ihn, der vom Gelage und Weinentmannt war, selbst hochgereckt und bereiten Muts vom Vordringenabhielt, ihn ergriff und niederschlug 67 . Hat nicht Capuas Weichlichkeitdie Macht des Hannibal mehr entkräftet als die Niederlage von Cannae die der Römer zerrieben hatte 68 ? Was bedarf es der Beispiele ? Wo nichtmaßvollste Haltung das Leben lenkt, da treibt auch der Geist, über dieGrenzen der Ehre gerissen, schiffbrüchig in den Abgrund.Unter so vielen Geschlechtern und Arten der Lebendigen gibt es nahezukeines, das zu weichlich im Schatten aufgezogen auch nur das Schatten-bild des rechten Maßes oder den Anschein gerader Gesinnung bewahrenkönnte. Die der Natur als Führerin folgen wollen, brauchen wenig; dochwer in verschwenderischer Übersättigung die Lust erjagt, der begehrtstets das Unmeßbare und nie Endende. An der Genügsamkeit jenesLakoniers habe ich meine Freude, der Fischchen fing und sie einem Gast-wirt zum Kochen gab. Nach Gewohnheit verlangt der Wirt Käse, öl,Essig und vieles mehr, um sie schmackhafter zu würzen. Darauf derLakonier: Wenn ich hätte, was du forderst, brauchte ich gewiß keineFischchen 69 . Alexandrinische Lustbarkeiten und syrakusanische Mahlehaben schändliche Liebe und unzüchtiges Beilager nicht nur im Gefolge,sondern gar als Verfolger. Ausgezeichnet zogen die Lazedämonier, umFrauen und Kindern die Häßlichkeit unmäßigen Trinkens klar zu zeigen,betrunkene Sklaven, die Heloten, zu den Gastmählern bei; wenn diesedabei nach ihrer Art mit vielen Albernheiten die Augen der Zuschauerauf sich lenkten, schienen sie nicht nur erbarmenswerte, sondern erbärm-liche und unselige Menschen. Auch möchte ich nicht glauben, daß er-lauchte Männer sich an deren Elend ergötzt hätten, sondern sie urteilten,daß das, was bei Sklaven schimpf lieh sei, bei freien Männern das Schimpf-