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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU
Sittenrüger, der Rüge verfällt, er sei von der Pflicht eines guten Mannesabgegangen. Er verkaufte die Sklaven, sobald sie altersschwach ge-worden waren, und entschied, man müsse unnütze Mäuler unter keinerBedingung im Hause behalten 102 . Die Frauen sollen ihre Ehrenpflichtdarin sehen, unerfahrene Mägde geschickt zu machen, und haben sie einebei geringfügigen Dingen geübt und mit Treue und Fleiß begabt ge-funden, diese mit der Aufsicht über den Vorratskeller zu betreuen. Einenhaushälterischen und bescheidenen Verwalter sollen sie dauernd be-fragen, ihn loben, gnädig mit ihm sprechen und ihn beschenken, damitdurch diesen Eifer der Frau die Dienstbeflissenheit täglich kräftiger an-gespornt werde 103 . Für die Nahrung der Diener sollen sie so sorgen, daßes ebensowohl ihrer eigenen Menschlichkeit Genüge tut, wie derenständiger Arbeit. Sie sollen sie passend so kleiden, daß sie der Natur,dem Ort und der Zeit sichtlich Rechnung tragen 104 . Außerdem sollen sienach des Hesiod Vorschrift unablässig bei den Gehilfen sich vorsehen 105 ,die sie von den Kindern und Angehörigen nicht fernhalten können.Denn man muß sie zusammen mit den eigenen, sei es auch insgeheimnähren. Sie sollen sich auch darin freundlich erweisen, wenn jemand ausder Dienerschaft von Krankheit befallen wird, daß er mit besondererAufmerksamkeit gepflegt wird. Solche Menschlichkeit, solche Zugäng-lichkeit wird alle besonders eifrig und dem Hause geneigt machen. Undum zum selben Beispiel zurückzukehren: Wir sehen dies deutlich beiden Bienen, die ihre Königin wegen deren Sorge und Umsicht für sieniemals verlassen und — ein starkes Anzeichen der Anhänglichkeit — ihrimmer, wohin sie auch zieht, nachfolgen 108 . Dies muß niemanden wun-dernehmen, da auch bei den übrigen Tieren ein gewisser Anklang anDankbarkeit nicht fehlt. Das erhellt neben vielem anderen aus folgendemBeispiel: Auf Rettung denkend verließen die Athener im PersischenKriege die Mauern und vertrauten ihren Staat dem Meere. Als sie vomUfer mit Eile abstießen, sah man den Hund des älteren Xanthippus vonVerlangen verzehrt, was er durch Rennen, Wedeln, Heulen und Bellenkundtat, wenn er nicht mit seinem Herrn übergesetzt würde. Und sohielt Xanthippus, während der Hund mitten durch die Fluten zum Schiffseines Herrn hinüberschwamm, auf der Flucht inne und nahm den ge-ängstigten Hund auf. Auf daß dieses denkwürdige Ereignis nicht in Ver-