VIII VON DER PFLEGE DES HAUSWESENS
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oder der Bediensteten beschuldigen als die Ansicht weisester Männer —ich halte römischem Brauch zufolge für nachahmenswert, daß sehr vor-nehme Frauen sich nicht mit den gemeinsten Dingen abgeben. Denn alsman mit den Sabinern das Bündnis schloß, wurden die adligen Frauenvon der Arbeit des Mahlens und Kochens und von Knechtsdiensten freierklärt 98 ; dann allerdings, wenn Krankheit des Gatten eintritt oder einAnlaß, Gäste zu ehren, mögen sie derartige Geschäfte auf sich nehmen.Denn wenn es zur Gesundheit des Mannes beiträgt, dann darf es nichtnur nicht versäumt werden, sondern wir verabscheuen die Unterlassung.Es berührt mich besonders wohltuend, wenn ich bei dem kenntnis-reichsten Seher und Weisen Homer die Andromache von solcher Neigungund Liebe zu ihrem Hektor erfüllt sehe, daß sie selbst beim Futtervor-schütten für die Pferde, denen Leben und Ehre des Gatten anvertrautward, umsichtig und genau ist". Will also die Gattin auf ihre Pflicht undihren Ruhm den Sinn richten, dann wird sie zugeben und bewähren, daßsie dem Mann alles schuldet. Wenn etwa der gastfreie Mann einige Leutebei sich zu bewirten die Absicht hat, dann soll sie auch vor der Küchen-arbeit nicht zurückschrecken, die so edlen und tapferen Helden wieAchilles und Patroclus nicht fremd war. Als zu jenem Odysseus und Aiax wegen der Versöhnung kamen, legte er die Lyra beiseite und betrieb mitgroßem Eifer, was kaum geringer Sklaven würdig schiene, wenn es nichtum der Zuneigung oder der Gastfreundschaft willen ehrenvoll würde 100 .Doch davon genug, da wir uns vornahmen, den Stoff in großen Zügenzu durchlaufen, nicht aber, das Einzelne zu lehren, besonders da diesesGebiet durch die Erörterung gelehrter Männer sorgfältiger und reich-licher behandelt ist, als es von mir entwickelt werden kann. Deshalbwollen wir zum Übrigen kommen.
Von der Dienerschaft scheint nun, wie versprochen, zu reden. Woferndiese nicht vernachlässigt wird, wird sie nicht wenig zu Zierde, Nutzenund Ergötzung beitragen. Dies wird man erreichen, wenn die Herrin siegenau unterweist und ihnen nicht eher zürnt, als wenn sie auch nach derVerwarnung noch bei Fehltritten betroffen werden. Wie im übrigen sooft, mögen auch hierbei die Frauen der Bienenkönigin folgen, die keinesäumigen, keine trägen Untergebenen duldet 101 . Diese Vorschrift für dasHauswesen beobachtete Marcus Cato der Ältere so genau, daß er, der