Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU

Nachwelt empfohlen bliebe, gab man dem ehernen Standbild der CaiaCaecilia 93 , der Tochter des Tarquinius, Hausschuh, Rocken und Spindelbei, die gewissermaßen den Künftigen die emsigste Emsigkeit als nach-ahmenswert darstellen sollten. Welcher nachlässige Landwirt darf hoffen,fleißige Ackerknechte zu haben? Welcher schlafsüchtige Feldherr wirddie Soldaten wachsam für den Staat halten ? Wenn also die Frau will, daßdie Mägde zu Hause bleiben, dann lehre sie das nicht nur mit Worten,sondern sie weise, erkläre und zeige durch die Tat, was zu tun sei. ImHaushalt ist fürwahr nichts vorzüglicher, als wenn jedes Ding an seinenPlatz gestellt und untergebracht wird. Ordnung nämlich es gibt nichtsSchöneres, nichts Nützlicheres ist immer von höchstem Gewicht.Sehen wir auf Chöre und Heere: wird Gliederung nicht geschickt ein-gehalten, so werden sie alles eher als Heere oder Chöre benannt werden 94 .Möchten die Ehefrauen die Bienenkönigin nachahmen, die, was auchimmer in den Stock eingebracht wird, kennt, aufnimmt und es verwahrt,bis das Bedürfnis danach verlangt, und die stets bei den Waben ist, da-mit sie sorgsam und rechtzeitig vollendet werden. Diener und Knechtesollen sie aussenden, wenn sie es für nutzbringend halten; wenn sie aberzu Hause zu brauchen sind, dann sollen sie sie antreiben, drängen undihnen Arbeit zuweisen 95 . Auch daß Speisekammer, Wein- und ölkellerdem Gatten keinen Ärger bringe, werden sie ihrem Pflichtenkreis zu-rechnen. Wie ein Feldherr die Zahl der Soldaten häufig mustert, so sollauch die Frau die im Hause lagernden Vorräte öfter und sorgfältigstnachprüfen, damit sie nicht spät und zu ihrem Schaden merke, daß, wasfür ein Jahr sein sollte, kaum einen Monat reicht 90 . Jene Ansicht desPerikles täuscht meist die Unerfahrenen und ist vielfach auch oft demVermögen nachteilig. Dieser verkaufte nämlich alle Früchte, die er vonseinen Feldern zog, auf einmal und beschaffte nachher, was im Hausebedurft wurde, täglich vom Markte 97 . Diese Art, sich täglich mit Ge-treide, Holz und Wein zu versehen, schickt sich eher für einen Reisendenund einen unruhigen Kriegsmann als für einen Bürger und Hausvater,und so wird nicht gerade großzügig, glänzend und bequem für das Wohl-ergehen gesorgt. Ob darum einer verficht, dies sei von jenem Mannewegen der Unzuverlässigkeit des Verwalters so eingeführt, oder ob ermir folgend urteilt, man müsse eher die Unachtsamkeit der Hausfrau