VIII VON DER PFLEGE DES HAUSWESENS
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Knechten oder auch Bedienten und der Erziehung der Kinder sich zubeschäftigen. Mit den letzten werden wir uns dann befassen, wenn wirzuvor die beiden ersten Punkte erledigt haben.
Die Pflege des Hausrats nämlich, die Achtsamkeit auf Diener und Helferhalten wir für etwas Notwendiges. Denn wir brauchen Gerät undDiener, ohne deren Menge und Hilfe die ganze Wirtschaft nicht be-stehen kann. In ihnen liegt großenteils das rechte Maß des Haushaltens.Wenn das sich nicht auf Rat und Weisung der Hausfrau gründet, hat esnirgends festen Stand und pflegt sich überall zu lockern. Wie nämlichden Männern Kraft des Körpers und des Geistes von der Natur gegebenist, aus anderen Gründen sowohl als darum, daß sie durch Fleiß, Arbeitund schließlich durch viele Wagnisse ihr Haus reich machen, wird, ver-mute ich, den Frauen von der Natur die Schwäche zugeteilt, damit siedas, was im Hause ist, sorgfältiger selbst überwachen 89 . Denn Furchtläßt sich nicht von Sorgen, Sorgen nicht von Wachsamkeit trennen. Washülfe es, viel nach Hause zu bringen, wenn die Frau das Hereingebrachtenicht bewachte, bewahrte und verteilte ? Was ist anderes von den Töch-tern des Danaus in der Sage geschrieben, die sich beim Füllen des durch-löcherten Fasses vergeblich verzehren? Ich bin der Ansicht, die du,Lorenzo, wie ich fest vertraue, billigen wirst, daß nicht unbeträchtlicherGewinn aus dieser ehelichen Hut erwachsen ist. Ist ja auch ein gutesWort von jenem so klugen Cäsar Augustus: Es hätte dem Alexander beiweitem mehr Frucht und Lob eingetragen, hätte er das, was er erworben,zu schützen und zu bewahren vermocht, als daß er im Geleit des Glückesdie größten Taten vollbrachte 90 . Darum sollen die Frauen nicht umihren Ruhm kommen, wenn sie alles, was ins Haus zusammengetragenworden ist, wie es ihres Amtes ist, in Ordnung bringen. Sie werden sichalso Mühe geben und darauf denken, wie Perikles Tag für Tag dasHaupt Athens , so das ihres Hauses zu sein. Auch mögen sie überzeugtsein, daß man dauernd über sie urteilt, auf daß sie es an Sorge, Eifer undFleiß in der Wirtschaft nicht fehlen lassen. Sehr wird es hierzu beitragen,wenn sie sich gewöhnen — wie es ihnen vorzüglich zukommt —, zuHause zu bleiben und alles zu beaufsichtigen 91 . Hierbei fällt mir jenerkluge Stallknecht ein, der auf die Frage, was am meisten ein Pferdfett mache, erwiderte: Das Auge des Herrn 92 . Damit dieses Amt der